Geschrieben von : Marc Schaack und Olivier Nosbaum

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12½ Centimes Brück dritte Lieferung

Registratur, Verwendungszweck, Seltenheit

I  

n vorherigen Ausgaben vom Moniteur haben wir über die 12½ Centimes Haarlem in zwei Teilen berichtet[1]. Im ersten Teil sind wir auf die Seltenheit der Belege und größerer Einheiten dieser Marke sowie auf deren Existenz in großen Sammlungen eingegangen. Ähnlich wie bei den eben erwähnten Artikeln werden wir auch diesmal vorgehen und den Artikel dementsprechend in zwei Teilen veröffentlichen.

Man muss wissen, dass der heute noch belegbare Hauptverwendungszweck[2] der ersten und zweiten Lieferung der 12½ Centimes Brück[3], Briefen bis 15 Gramm nach dem Deutschen Reich galt. Während der Ausgabe der zweiten Lieferung wurde dieser Tarif am 1. Mai 1878 auf 25 Centimes heraufgesetzt[4]. Der Postkartentarif in das Deutsche Reich wurde auf 12½ Centimes heraufgesetzt, wurde aber wieder durch den Pariser Vertrag ab dem 1. April 1879 auf 10 Centimes herabgesetzt[5]. Ab dem 1. Mai 1878 findet man vermehrt Briefe mit zwei 12½ Centimes-Marken der zweiten Lieferung, was einem vom Gefühl her an einen „verschwenderischen Aufbrauch“ denken lässt. Die dritte Lieferung von Brück und die Haarlemer Ausgabe wurden aber trotzdem in nicht so geringer Auflage gedruckt, obwohl man einfach meinen könnte, dass sie nicht mehr benötigt wurden. Diese beiden Marken können daher als ähnlich in ihrer Seltenheit betrachtet werden.

Der belegbare Verwendungszweck

Der Verwendungszweck der 12½ Centimes Brück der dritten Lieferung ist nur auf vier Belegen nachweisbar. Fragmente mit dieser Marke sind uns nicht bekannt.

 Abb. 1

Abb. 1. Der „Remich-Brief nach Frankfurt“ abgestempelt am 24. Dezember 1881

 

Abb. 2

Abb. 2. Der „Remich-Brief nach Burscheid“ abgestempelt am 20. Oktober 1881

Zwei Briefe wurden von Remich ins Deutsche Reich geschickt, jeweils mit zwei Marken der 12½ Centimes Brück der dritten Lieferung frankiert, einmal als Paar, einmal mit zwei Einzelmarken. Abgestempelt wurden sie am 24. Dezember 1881 nach Frankfurt bzw. am 20. Oktober 1881 nach Burscheid.

 

Abb. 3

Abb. 3. Der „Bern-Brief“, abgestempelt am 12. März 1880 in Luxemburg

Der dritte Brief wurde von Georg Brück am 12. März 1880 von Luxemburg nach Bern geschickt. Bei der Frankatur handelt es sich um eine Mehrfachfrankatur der 12½ Centimes Brück der zweiten (rechts) und dritten Lieferung (links). Eine vom Absender beabsichtigte Mehrfachfrankatur ist hier wahrscheinlich. Georg Brück war der Sohn des Druckers Pierre Brück[6].

 Abb. 4

Abb. 4. Der „Ulflingen-Brief“, abgestempelt am 19. April 1880 anhand des Bahnpoststempels Ulflingen.Luxemburg

 

Der vierte Brief ist mit einem Sechserstreifen frankiert. Er wurde von der Firma Schwarz aus Ulflingen am 19. April 1880 nach Trier verschickt. Beim Tarif handelt es sich um die dritte Portostufe laut dem letzten Pariser UPU-Vertrag.

Belege der 12½ Centimes in großen Sammlungen und auf Auktionen

Die große Seltenheit von nur vier Belegen fällt auf. Nun stellt sich die Frage nach den Vorbesitzern und den großen und bedeutenden Sammlungen der Luxemburger Klassik. Erstaunlich ist auf den ersten Blick, dass nur einer der Briefe in einer dieser Sammlungen vorzufinden ist. Dabei handelt es sich um den Beleg mit dem Sechserstreifen aus Ulflingen. Dieser befand sich in der Dupont-Sammlung[7]. Weniger erstaunlich ist dies allerdings nicht, wenn man in Auktionskatalogen nach diesen Belegen sucht. Sie tauchten alle erst sehr spät auf. Auch der Brief aus Ulflingen befand sich nicht lange in der Dupont-Sammlung. Er wurde erst ca. ein Jahr vorher bei Rudolf Steltzer in Frankfurt angeboten[8]. Später wurde er noch einmal anlässlich des Symposiums zur Juvalux 98 veröffentlicht[9]. Der Bern-Brief wurde einmal[10], der „Remich-Brief nach Frankfurt“ zweimal[11] auf einer Auktion in Luxemburg angeboten. Vom anderen „Remich-Brief nach Burscheid“ ist uns keine Auktion bekannt, in der er je angeboten wurde.

Größere Einheiten

Abb. 5a Abb. 5b

Abb. 5. Die beiden Einheiten

An Einheiten sind uns neben dem weiter oben erwähnten Paar und dem Sechserstreifen auf Brief nur zwei weitere Paare bekannt. Es handelt sich um ein ungebrauchtes Randstückpaar und um ein Paar, das am 19. Oktober 1880 in Dommeldingen abgestempelt wurde.

Schlussfolgerung und Diskussion

Geht man nur vom vorhandenem philatelistischem Material aus, so haben wir bei der 12½ Centimes Brück der dritten Lieferung keinen Nachweis, der die Daseinsberechtigung dieser Marke dokumentiert. Wir haben zwei Paare, einen Sechserstreifen und einen wahrscheinlich absichtlich in dieser Form frankierten Händlerbrief. Es ist hervorzuheben, dass keine Einzelfrankatur belegt ist. Die Frankatur der vier Belege hätte mit der Verwendung einer bzw. drei 25 Centimes Marken weniger „verschwenderisch“ ausfallen können. Bei einem Rückblick auf die Haarlemer Ausgabe der 12½ Centimes haben wir mittlerweile[12] drei Paare auf Brief und eine in Buntfrankatur mit drei 25 Centimes Marken der Haarlemer Ausgabe auf einer Paketbegleitkarte. Allein letztgenannte rechtfertigt aufgrund einer unmöglichen portogerechten Frankatur ohne eine 12½ Centimes die Existenz dieser Marke. Zusammengefasst heißt dies, dass von acht bekannten Belegen nur einer die Daseinsberechtigung von zwei Marken verschiedener Ausgaben belegt, deren Auflagen zusammen über 225 000 Exemplaren beträgt[13].

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar. Wir sind für unsere Recherchen stets auf der Suche nach älteren Auktionskatalogen, besonders von der Firma Banque du Timbre von Herrn Ungeheuer und von Europhil.

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack

6, rue Thomas Byrne

L-3761 Tétange

Tel. : 26 17 53 87

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Olivier Nosbaum

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L-5811 Fentange

Tel. : 621 49 40 65

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[1] MDC 5, 2018, 195–199; MDC 3, 2019, 140–141.

[2] Seltener findet man sie als Paar verwendet auf Briefen nach Frankreich, auf Korrespondenzkarten und als Zusatzfrankatur auf Paketbegleitkarten.

[3] Den Autoren ist das erste bekannte Verwendungsdatung der ersten Lieferung (lilarosa) der 25. Oktober 1876, der zweiten Lieferung (karminrosa) der 30. September 1877 und der dritten Lieferung (lachsrosa) der 12. März 1880.

[4] Memorial I, Nr. 24, 11. April 1878.

[5] Memorial I, Nr. 19, 24. März 1879.

[6] Weitere Hintergrund-Informationen zu der Familie Brück und zu diesem Brief finden sie im Artikel von Wolfgang Maassen, „Alphons Brück und seine Familie»“, Phila Historica, Zeitschrift für Philateliegeschichte und Philatelistische Literatur, Nr. 1, März 2018, 55; http://philahistorica.de/Dokumente/PhilaHistorica_2018_01.pdf (Stand: 25. August 2019).

[7] Corinphila 73, 23–28. September 1985, Los 5448.

[8] Steltzer 152, 28–31. Oktober 1984, Los 1702.

[9] Soluphil (Hrsg.), Symposium 98. Histoire Postale Luxembourg, 1998, 115, Abb. 1.

[10] Soluphil 45, 26. Januar 1990, Los 3211.

[11] Banque du timbre 147, 25. November 1989; Soluphil 106, 8. Juni 1990, Los 798.

[12] Der dritte Brief wurde uns freundlicherweise vom Martin Eichele aus der Schweiz mitgeteilt.

[13] J.-P.Reis,  Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg – Administration des postes et des télégraphes – histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 219.