Abbildung 2 200pxMaximaphilie, ein beliebtes Sammelgebiet. . . 

Viele von uns sehen das Briefmarken- und Maximumkartensammeln als unnötige Zeitverschwendung an. Leider ahnen solche Menschen nicht, wieviel Schönes und Lehrreiches für jung und alt in der Briefmarke und Maximumkarte steckt. Sie sind der Spiegel des kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens aller Länder der Erde.

Die Philatelie hat schon längst aufgehört, eine einfache Leiden­schaft zu sein, die sich auf das Sammeln von Briefmarken und deren Einordnung in ein Briefmarkenalbum beschränkt. Die Philatelisten ha­ben ihren Beschäftigungsbereich erweitert: einerseits machten sie über das Studium von Dokumenten der Postgeschichte einen Streifzug in die entfernte Vergangenheit bis zur Vorphilatelie, anderseits untersuchten sie jahrelang neue Möglichkeiten einer besseren Auswer­tung ihres Sammlungsgegenstandes, der Briefmarke.

Auf diese Art entwickelten sich die thematische-, die Aero­- und Astrophilatelie sowie die Maximaphilie. Während der letzten 25 Jahren hat die Maximaphilie eine beachtliche Entwicklung in der FIP durchgemacht und etwa 58 Länder sind heute durch einen ständigen Delegierten in der FIP- Maximaphiliekommission vertreten.

Am 6. Oktober 1974 fand während der internationalen Maximaphilie­-Ausstellung "EUROMAX" in Bukarest (Rumänien) ein internationales Sym­posium statt, wo ein Entwurf für die Statuten und Reglemente der Ma­ximaphilie auf internationaler Ebene ausgearbeitet wurde und an dem sich 13 Länder beteiligten. (Abb. 1a + 1b)

 

Abbildung 1a 10cm

Abb. 1a

 

Abbildung 1b

Abb. 1b

 

Auf Wunsch des französischen Briefmarkensammlerverbandes wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, welche sich am 30. November 1975 in Wien, während der "Wien 75" traf, um einen Entwurf zur Errichtung einer vorbereitenden Kommission für Maximaphilie auf FIP-Ebene auszuarbeiten. Die Arbeitsgruppe bestand aus den HH. Anreiter aus Wien, L. Dvoracek aus Prag, L. Steiner aus Budapest, A. Morero aus Italien, G. de la Ferté aus Paris und J. Wolff aus Luxemburg. Bis 1980 war die Maximaphiliekommission der thematischen Kommission untergliedert; erst ab dem FIP-Kongress 1980 wurde es eine offizielle Kommission, wie alle anderen Kommissionen bei der FIP. Das Sammelgebiet der Maximaphilie hatte Anerkennung auf nationaler, internationaler und auf FIP-Ebene gefunden.

Die Maximumkarte ist ein philatelistischer Beleg, der aus drei Bestandteilen zusammengesetzt ist, und zwar : Ansichtskarte, Briefmarke und der dazu passende Stempel. Die Briefmarke muss auf der Bildseite der Ansichtskarte aufgeklebt und mit einem Poststempel versehen sein. Die drei Bestandteile müssen untereinander ein Maximum an Übereinstimmung aufweisen und gewisse Bedingen erfüllen, z. B. muss die Briefmarke in gutem Zustand sein und Frankaturgültigkeit am Abstempelungsdatum haben. Die Ansichtskarte muss sauber sein und im Motiv mit der Briefmarke übereinstimmen, was auch auf den Stempel zutrifft, der einwandfrei und leserlich sein muss. (Abb. 2)

 

Abbildung 2 8cm 

Abb. 2

 

Die Ansichtskarte soll vor Ausgabe der Briefmarke im Handel sein, damit ein jeder die Möglichkeit hat, sie zu erwerben und zur Anfertigung einer Maximumkarte zu verwenden. Die Maximumkarte muss in der Zeit der Frankaturgültigkeit der Briefmarke, so nahe wie möglich zu deren Ausgabedatum hergestellt werden. Der Name des Ortes auf der Abstempelung muss eine direkte Beziehung zum gemeinsamen Bild, beziehungsweise Motiv, der Briefmarke und der Ansichtskarte haben. Viele Sammler und Hersteller von Maximumkarten stellen sich die Frage, ob alte Ansichtskarten mit neuen Briefmarkenausgaben be¬nützt werden können. Auf Grund ihres Alters und ihrer Seltenheit bilden eben diese alten Ansichtskarten wertvolle Unterlagen für die Herstellung von Maximumkarten. (Abb. 3)

 

Abbildung 3 10cm

Abb. 3

 

Der maximaphilistische Wert einer Maximumkarte, das heisst ihre Bewertung für den Tausch und für Ausstellungen, ist abhängig: - von der Qualität ihrer Bestandteile und von der Beachtung der drei Übereinstimmungen, - vom Katalogwert der Briefmarke, der auf Grund ihres Nominalwertes und ihrer Seltenheit festgesetzt ist, - von der Seltenheit und Beschaffenheit der Ansichtskarte - alte Ansichtskarten werden höher bewertet als neue, - von der Tatsache, ob auf dem Bild der Ansichtskarte Elemente vorhanden sind, die das Bild der Briefmarke ergänzen, falls dieses eine Einzelheit oder einen Ausschnitt eines Motivs darstellt, - von der Art der postalischen Abstempelung: ob sie älter ist und eine gute Übereinstimmung aufweist, - von der Illustration des Stempels: ob diese einen Text oder ein Bild aufzeigt, die in Zusammenhang mit dem Motiv der Briefmarke stehen. Besonders wertvoll sind alte Maximumkarten vor 1940, welche dem internationalem Reglement entsprechen. (Abb. 4)

 

Abbildung 4 10cm

Abb. 4

 

Die zur Goldenen Hochzeit des Erlauchten Herrscherpaares herausgegebene Ansichtskarte mit der Briefmarke 5c Grossherzog Adolf im Profil, abgestempelt am 16. Januar 1902, gilt zur Zeit als älteste Maximumkarte Luxemburgs - ein Unikat. Nach dem Ableben ohne männlichen Erben von König Wilhelm III. der Niederlande, Grossherzog von Luxemburg in Personalunion, besteigt Herzog Adolf von Nassau (*24. 7. 1817) am 23. 11. 1890 den Thron Luxemburgs, gemäss dem Familienpakt der Nassauer vom 30. 6. 1783. Am 23. 4. 1851 hatte Grossherzog Adolf Prinzessin Adelheid-Marie von Anhalt-Dessau (25. 12. 1833-24. 11. 1916) in zweiter Ehe geheiratet. (Abb. 5)

 

Abbildung 5

Abb. 5