Der Durchstich der Naumann Druckerei auf Luxemburger Postwertzeichen

 

Einleitung

Im Jahr 1859 erhielt die Druckerei C. Naumann aus Frankfurt am Main erstmals den Auftrag von der luxemburger Postverwaltung, die Postwertzeichen für das Grossherzogtum zu drucken. Zu diesem Zeitpunkt waren die Marken noch ungezähnt, und mussten mit einer Schere getrennt werden.

Erst im Juni 1865 lieferte die C. Naumann Druckerei die ersten Marken mit farbigem Durchstich. Bei dieser Lieferung handelte es sich um die 12,5 Centimes Marke, für diese nur Einzelklischees zum Druck der Marken vorlagen. Die Trennleisten wurden in den Zwischenräumen der Einzelklischees in der Druckform befestigt. In einem einzigen Druckvorgang wurde sowohl der Druck als auch der farbige Durchstich erzeugt. Die Zwischenräume der Einzelklischees mussten gegenüber der vorigen ungeschnittenen Ausgabe von 1mm auf ungefähr 2mm in der Druckform erweitert werden.

Zusammensetzung der Trennlinien

Anhand von einem kompletten Bogen, sowie von grösseren Einheiten (bevorzugt mit Bogenrand) konnten die Autoren die Zusammensetzung der Trennleisten sowohl bei farbig als auch bei farblos durchstochenen Marken studieren.

Die waagerechten Trennleisten in der Druckform bestanden ausnahmslos aus durchgehenden Trennleisten. Die senkrechten Trennleisten haben nur die Markenhöhe und wurden senkrecht zwischen die waagerechten Trennleisten in die Druckform gesetzt. Nur eine senkrechte Randreihe ist durchgehend: je nach Auflage und Wertstufe ist es die linke oder rechte Bogenrandreihe.

Folgende Abbildungen visualisieren diese Beschreibung:

Abb.1

Abb. 1: linke Bogenecke mit senkrecht durchgehender Trennleiste am linken Bogenrand

Abb.2

Abb. 2: rechte Bogenecke mit senkrechten Trennleisten in Markenhöhe am rechten Bogenrand

 

M16 Bogen 1 

 

Farbloser Durchstich

Der farlose Durchstich erfolgte nur bei den unteren Werten von 1 Centime, 2 Centimes und 4 Centimes. Dies ist bedingt durch die Zusammensetzung der Markenklischees, in Form von 4er-Blocks.[1] Im Gegensatz zu den hohen Werten, bestand die Zusammensetzung des Hunderterbogens bereits bei der geschnittenen Ausgabe aus fünfundzwanzig 4er Blocks.

Durch diese Zusammensetzung war es bei den 2 Centimes und den 4 Centimes nicht möglich, den Abstand in der Druckform zu erweitern, um die Trennleisten zwischen die Klischees in den Druckformen einzusetzen, und der Durchstich konnte somit nur in einem zweiten Arbeitsdurchgang durchgeführt werden.

Die 1 Centime Marke bildet eine Ausnahme, da schon im Jahr 1865 neue Einzelklischees dieser Marke geliefert wurden. Diese Klischees wurden von der Firma Schelter & Giesecke in Leipzig[2] hergestellt und hätten schon 1865 ermöglicht, die 1 Centime Marke in einem einzigen Arbeitsdurchgang gleichzeitig zu drucken und zu durchstechen. Dies ist aber nicht bei der ersten Auflage von 1865 mit farblosem Durchstich geschehen, obwohl die Einzelklischees schon vorhanden waren.

Von der 1 Centime Marke besitzen die Autoren einen kompletten Bogen der geschnittenen Ausgabe und grössere Bogenteile der farblos durchstochenen Auflage von 1865, und haben von ungefähr 50 Klischees, kein einziges Klischee übereinstimmen können. Auch die Zwischenräume der farblos durchstochenen 1 Centime Ausgabe wurden auf 2 mm erweitert, was die Verwendung neuer Einzelklischees beweist.

Durch den knappen Zwischenabstand und dem benötigten zweiten Arbeitsdurchgang ist der farblose Durchstich meistens schlecht zentriert.

Laut Schock[3] existieren auch Paare der 2 Centimes Marke, die in der Mitte ungezähnt geblieben sind. Dies kann man erklären durch ein Vergessen einer der 100 senkrecht in der Druckform einzusetzenden Trennleisten in Markenhöhe oder durch eine schlecht befestigte senkrechte Trennleiste, die durch den Druck nach oben gedrückt wurde, und das Papier nicht durchstach. Durch den farblosen Durchstich ist ein fehlender Durchstich zusätzlich bei der Kontrolle der Bögen vor der Auslieferung schwer zu erkennen und kann schnell übersehen werden.

Diese Abart existiert auch bei der Thurn & Taxis Marke 1 Kr. hellgrün farblos durchstochen, die ebenfalls in der C. Naumann Druckerei Mitte 1865 gedruckt wurden.[4]

Die Klischees der 2 Centimes und der 4 Centimes Marken wurden erst im Jahr 1875 ersetzt, nachdem die luxemburger Postverwaltung den Auftrag zum Drucken der Postwertzeichen an die lokale Buchdruckerei Pierre Brück übergab.

Folgende Bemerkung befindet sich in den Staatsarchiven:

Abb.3 1000px

Abb. 3: Notiz vom Directeur Général des Finances an den Directeur de l’Enregistrement et des Domaines (Anlux H-1136)

 

Aus diesem Grund gibt es die 2 Centimes und die 4 Centimes Marke nur mit farblosem Durchstich der Druckerei C. Naumann.

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar.  

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

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Marc SCHAACK

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[1] J.B. Moens, Timbres du Grand-Duché de Luxembourg (Bruxelles 1879), 38; Anlux, H-1136.

[2] J. Crustin, Emission au type Armoiries 1859/1882. La Genèse de l’Emission Armoiries, Monographie des Timbres aux Armoiries du Grand-Duché de Luxembourg (Luxembourg 1963), 17.

[3] J. Schock, Les timbres-poste du Luxembourg. Le Moniteur du collectionneur 1899, 173.

[4] P. Sem, Thurn & Taxis Spezialkatalog Handbuch Markenzeit, (Gundelsheim 2001, 5.Aufl.), 136.