Geschrieben von : Marc Schaack & Olivier Nosbaum

Betrügerische Umwandlung einer UN FRANC Nauman

in eine 37 ½ Centimes

Tipps zur Enttarnung anhand eines Beispiels

Der Prifix-Katalog der Banque du Timbre warnte noch bis 2009 vor chemischer Behandlung der Nr. 25 „zum Entfernen des Aufdrucks zur Herstellung einer Nr. 22.“ Gelegentlich findet man solche Stücke in Sammellosen oder in Auktionen. Besonders gestempelte Marken sind hiervon betroffen, weil der preisliche Unterschied in den Katalogen hier höher ist und die 37 ½-Centimes doch wesentlich seltener ist als die UN FRANC-Marke. Dass eine auf diese Art manipulierte Marke nun in einer älteren, kürzlich aufgelösten Luxemburger Sammlung[1] aufgetaucht ist, ist wenig verwunderlich. Umso mehr wundert es, dass ihr ein aktueller BPP Befund beiliegt, der die Echtheit der Marke garantiert.

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Abb. 1: Beispielmarke aus der Simonis-Sammlung mit dem Stempel „Noerdange“ in Blau

In dem vorliegenden Artikel sollen anhand der Marke von Noerdange, die uns im Original vorliegt und hier als Beispielmarke dient, einige Aspekte gezeigt werden, anhand derer eine Manipulation auch mit wenig Vergleichsmaterial relativ leicht erkennbar wird.

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Abb. 2: BPP Befund, der die Echtheit der Marke bestätigt

 

Wie prüft man eine solche Marke?

Die Prüfung ist eigentlich leicht, wenn man folgende Aspekte beachtet:

1) Das Stempeldatum

Da die Restbestände der 37 ½ Centimes-Marke 1872 mit UN FRANC überdruckt und am 28.10.1872[2] ausgegeben wurden, sollte man allen 37 ½ Centimes-Marken gegenüber, die ab 1873 abgestempelt sind, misstrauisch eingestellt sein.

Beispielmarke: Stempel, …/12. 80 (nicht „86“) [3] der Paketpostagentur (nicht „kleinem Postamt“) von Noerdange. Die Paketpostagentur in Noerdange eröffnete erst am 1. August 1880.[4] Die Erklärung im Befund „späte Verwendung in einem kleinen Postamt“ ergibt wenig Sinn. Dass das „Magasin du timbre“ der Post eine sich seit 8 Jahren nicht mehr im Lager befindende Marke nach Noerdange liefern sollte, erscheint uns als undenkbar, wurden die Restbestände doch 1872 überdruckt. Dass eine Privatperson oder eine Firma damals einen so hohen Wert über einen solch langen Zeitraum von 8 bzw. 14 Jahren[5] bei sich zu Hause aufbewahrt hat, ist kaum vorstellbar. Allein durch diesen Aspekt geht die Wahrscheinlichkeit der Echtheit der Marke gegen Null.

2) Farbrückstände des Aufdrucks

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Abb. 3: Detailansicht mit Farbresten des Aufdrucks und Papieraufrauhungen.

Oft konnte der Aufdruck nicht komplett entfernt werden. Reste des Aufdrucks sind manchmal mit bloßem Auge oder unter Vergrößerung erkennbar, in der Regel auf der Inschrift „37 ½ Centimes“, in selteneren Fällen unterhalb der Inschrift.

Beispielmarke: Es sind noch Reste in Form von kleinen schwarzen Punkten erkennbar.

3) Papieraufrauhung

Durch das Abschaben des Aufdrucks entstehen Aufrauhungen am Papier, die Farbe der Marke bekommt weiße Flecken an dieser Stelle.

Beispielmarke: Aufrauhung und weiße Flecken über der Inschrift „37 ½ Centimes“.

4) Farbe

Die Farbe der Marke ist gelbbraun. Es existieren hellere und dunklere Nuancen. Weicht die Farbe von diesen Nuancen ab, ist sie zumindest verdächtig und kann aufgrund schlechter Lagerung oxidiert sein. Die meisten uns bekannten manipulierten Marken weisen allerdings keine Oxidierung auf.

Beispielmarke: Die Farbe der Marke ist dunkelbraun, in einer Farbnuance, die ursprünglich bei dieser Marke nicht existierte. Am linken Rand und auf anderen kleinen Stellen schimmert die Originalfarbe noch durch.

Schlussfolgerung:

Wir hoffen dass die hier gezeigten Merkmale weiterhelfen, den Sammler vor Fälschungen dieser Art zu schützen. Sollten Sie sich trotzdem nicht sicher sein, bieten wir Ihnen gerne unsere Unterstützung an.

 

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar.  

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

 

Marc Schaack

6, rue Thomas Byrne                         

L-3761 Tétange                                

Tel. : 26 17 53 87                                  

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Olivier Nosbaum

135, rue de Bettembourg

L-5811 Fentange

Tel. : 621 49 40 65

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[1] Sammlung Simonis. Als Einzellos mit BPP Befund: Felzmann, 14. e@auction, 12.05.2017, Los 11304.

[2] Moens, J.B. Timbres du Grand Duchée de Luembourg (Bruxellese 1879), 37.

[3] Laut Stempeldatenbank der Commission d’Etudes der FSPL ist dies nun die früheste bekannte Abstempelung von diesem Ort.

[4] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg - Administration des postes et des télégraphes - histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897) 201.

[5] Rechnet man mit dem Jahr 86 aus dem Befund. Nicht zu vergessen dass 1886 die Allegorie Marken schon 4 Jahre im Umlauf waren.