Geschrieben von : Marc Schaack & Olivier Nosbaum

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12,5 Centimes Haarlem (Teil 1)

Registratur, Verwendungszweck, Seltenheit

Seit nunmehr fast 20 Jahren sind wir dabei Belege, Fragmente, Einheiten usw. der Wappenmarken zu registrieren. Eines der Ziele dieser Arbeit ist, für jeden Wert, deren Seltenheit und Verwendungszweck zu erfassen. Das Material für diese Auswertungen liefert hauptsächlich das systematische durchsuchen von Auktionskatalogen. Aber auch Internetauktionen und Bildmaterial das uns von Luxemburger Sammlern zur Verfügung gestellt wird, werden hier mit einbezogen. Eine Erkenntnis hieraus ist, dass das Verhältnis Seltenheit zum Katalogwert in manchen Fällen sehr weit auseinander geht. Bei den Belegen konnten wir klar feststellen, dass manche häufig sind und in den Katalogen teuer bewertet werden, andere wiederum sind sehr selten und verhältnismäßig sehr günstig bewertet. Ein Beispiel, das wir hier vorstellen möchten ist die 12,5 Centimes Haarlem auf Beleg.  Bis 2009, als der Prifix-Katalog noch Briefbewertungen angegeben hat, wertete eine 12,5 Centimes Haarlem gestempelt 250 Euro, + 750 Euro Zusatz für eine Einzelfrankatur auf Beleg. An Stelle einer Bewertung für Paare und Dreierstreifen auf Beleg steht ein Fragezeichen. Der Prifix-Katalog gibt für 42 Marken der Wappenmarken eine Briefbewertung an. 19 dieser Marken werten als Einzelfrankatur auf Brief mehr als die 1.000 Euro der 12,5 Centimes Haarlem. Darunter auch, bis auf die 10 Centimes, sämtliche Marken der geschnittenen Ausgabe. Diese sind auf Beleg, mit Ausnahme der drei kleinen Werte, keine Seltenheiten.[1] Erstaunlich ist diese Bewertung, denn wie wir weiter unten sehen werden, ist uns kein einziger Beleg, frankiert mit der 12,5 Centimes Haarlem, als Einzelfrankatur bekannt.

Der Verwendungszweck

In diesem Artikel werden wir nur auf die anhand vom vorhandenen Material (Marken, Stempel, Briefen… ) belegbaren Verwendungszwecke eingehen. Im zweiten Teil, der für den nächsten Moniteur vorgesehen ist, gehen wir auf die theoretisch möglichen Verwendungszwecke ein.  In dem Teil werden wir auch die möglichen Portotarife auflisten und von Entdeckungen aus den Archiven berichten.

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    Abb. 1. Paketbegleitkarte abgestempelt in Luxemburg am 08.07.1882, nach Wiesbaden

 

Wir können bis jetzt zwei Verwendungszwecke auf einem Beleg dokumentieren. Einmal als Einzelmarke zusammen mit drei Marken zu 25 Centimes der Haarlemer Ausgabe auf Paketbegleitkarte (Abb. 1). Diese Paketbegleitkarte gilt als Unikat. Der Tarif zu 87,5 Centimes entspricht dem Tarif eines Pakets bis zu 5 Kilogramm ins Deutsche Reich für eine Distanz über 10 Meilen[2]. Der Tarif wäre portogerecht ohne Kombination mit einer 12,5 Centimes-Marke nicht möglich. Der zweite Tarif den wir belegen können entspricht der Verwendung von Paaren zum Tarif von 25 Centimes in das Deutsche Reich. Hier kennen wir nur zwei Briefe (Abb. 3 u. 4). Diese Verwendung ist allerdings eine „verschwenderische“, weil 25 Centimes Marken existieren, die für diesen Tarif vorgesehen sind. Weitere Belege dieser Marke sind uns nicht bekannt. Die 12,5 Centimes ist somit, laut unserem aktuellen Forschungsstand, die seltenste Marke auf Beleg der gesamten Wappenausgabe. Ein nächster Schritt wäre jetzt, die Fragmente danach zu untersuchen, ob hier ein Hinweis auf einen Verwendungszweck zu finden ist. Doch leider ist uns von dieser Marke auch kein einziges Fragment bekannt.

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Abb. 2. Zwei Paare und eine Einzelmarke, mit zusätzlichem französischem Stempelabschlag.

 

Es existieren allerdings Paare (Abb. 2) und Einzelmarken, die zusätzlich eine französische Abstempelung tragen. Hier kann man genau wie bei der eben erwähnten „verschwenderischen“ Verwendung nach Deutschland, von einer solchen nach Frankreich ausgehen. Sämtliche Verwendungszwecke sind also anhand von Belegen allein nicht ausfindig zu machen.

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 Abb. 3. Der „Köln-Brief“, abgestempelt in Luxemburg am 12.12.1882

Abb 4
 

Abb. 4 Der „Fürth-Brief“, abgestempelt in Luxemburg am 07.11.1882

Belege der 12,5 Centimes in großen Sammlungen

Die große Seltenheit, wie weiter oben erwähnt, von nur drei bekannten Belegen die mit dieser Marke frankiert sind, sticht beim genaueren Betrachten der großen Sammlungen noch mehr ins Auge. Hier fehlen sie gänzlich, außer sie befanden sich in nicht mehr nachprüfbaren Sammellosen bei deren Verkauf. Nur in der  Sammlung Seligson (Abb. 1) die 1981 (Los 5401) verkauft wurde befand sich die Paketbegleitkarte. Diese tauchte 1984 noch bei David Feldman und 2014 (Auktion 37, Los 51120) im letzten Teil, als letztes Los (Los 1060) der „Melusina“ Sammlung auf. Die beiden Briefe haben überhaupt keine bedeutenden Provenienzen. Den Brief nach Köln (Abb. 3) können wir erstmals im Mai 1985 bei Peter Rapp nachweisen (Los 6008). Der Brief nach Fürth (Abb. 4) wurde erst im September dieses Jahres bei Heinrich Köhler verkauft. Das Paar stammt vom Brief, wurde aber abgelöst und etwas nach links versetzt, was leicht an kleinen Stempelflecken rechts zu erkennen ist.

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   Abb.5. Der Vierblock, mit Einkreisstempel Roodt vom 05.01.1884

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  Abb.6. Der Achterblock, mit Stempel Luxemburg Ville VI

Größere Einheiten

Es sind uns nur zwei Einheiten bekannt, die grösser als Paare sind. Ein Viererblock, gestempelt Roodt (Abb.5), der 1981 bei der 155. Auktion von Maurice Baeten (Los 777) verkauft wurde, und sich später im Los 1016 der 105. Soluphil Auktion befand, die am 15. Dezember 2006 versteigert wurde. Die größte bekannte Einheit ist allerdings ein Achterblock (Abb. 6), gestempelt Luxemburg Ville VI. Bei beiden Stücken wäre es allerdings reine Spekulation, auf einen Verwendungszweck zu schliessen.

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren Ihnen dankbar. Wir sind für unsere Recherchen stets auf der Suche nach älteren Auktionskatalogen, besonders von der Firma Banque du Timbre von Herrn Ungeheuer und von Europhil.

Commission pour la Philatélie traditionnelle, les Entiers postaux et l’Histoire postale du Luxembourg

Marc Schaack

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Olivier Nosbaum

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[1] Von den 12,5; 37,5 und 40 Centimes existieren jeweils noch weit über 100 Belege.

[2] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg – Administration des postes et des télégraphes – histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 294