Geschrieben von : Olivier Nosbaum & Marc Schaack

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Die farbig durchstochene 40 Centimes Marke von 1866

Von der Bestellung zur ersten Lieferung

Bei der Bestandsaufnahme vom 17. September 1866 befanden sich noch 318 Bögen zu 100 Marken der geschnittenen 40 Centimes Marke im Magasin du Timbre der Luxemburger Post[1], deren letzter Eingang die Lieferung vom 22. Februar 1862 war[2].

Daraufhin genehmigte der Generaldirektor der Finanzen am 19. September 1866, nochmals 1000 Bögen zu 100 Marken bei der C. Naumann Druckerei in Frankfurt zu bestellen[3]. Dies war die erste Lieferung der 40 Centimes Marke, die farbig durchstochen wurde, und am 29. November 1866 im Magasin du Timbre eingetragen wurde[4].

Die erste Verwendung der durchstochenen Marke

Die jahrelange Stempeldatenregistratur der Autoren ergibt folgendes Resultat :

Das letzte Verwendungsdatum der geschnittenen 40 Centimes Marke ist vom 3. August 1867, mit einer “petit français” Abstempelung von Luxemburg.

Das erste Verwendungsdatum der farbig durchstochenen 40 Centimes Marke ist vom 9. August 1867, mit einer “petit français” Abstempelung von Luxemburg[5].

Die farbig durchstochene Marke blieb also so lange im Magasin du Timbre der luxemburger Post, bis dass die geschnittene Marke an die verschiedenen Postbüros ausgeliefert wurde[6].

 

Abb.1 600px

Abb. 1: letzte bekannte Verwendung (3. August 1867) der geschnittenen 40 Centimes Marke

 

Verwendungszweck

Die Autoren beschränken ihre Analyse auf den Tarif zu exakt 40 Centimes bis zur Gründung des Allgemeinen Postvereins, der am 1. Juli 1875 in Kraft trat. Obwohl die Marke ihre Gültigkeit erst am 1. Januar 1906 verlor, liegen uns keine Belege, und nur eine geringe Anzahl von Abstempelungen dieser Marke vor, die in die Zeit des Allgemeinen Postvereins, resp. Weltpostvereins fallen.

1) Briefkorrespondenz

a) Korrespondenz nach Frankreich (inklusif Algerien)

- Durch den Postvertrag vom 28 November 1851 zwischen Luxemburg und Frankreich wurde der Tarif für Briefe bis zu 7,5 Gramm auf 40 Centimes festgelegt[7]. Reduziert auf 25 Centimes wurde dieser Tarif für Briefe bis zu 10 Gramm ab dem 1. April 1868[8].

Verwendungsperiode: 9. August 1867 bis 30. März 1868

(nur wenige Belege sind bekannt)

b) Korrespondenz nach Belgien

- Durch den Postvertrag vom 22. Mai 1867 zwischen Luxemburg und Belgien, der am 1. August 1867 in Kraft trat, wurde der Tarif für Briefe von 10 Gramm bis zu 20 Gramm (2. Portostufe), über der 30 km Grenzzone, auf 40 Centimes festgelegt[9].

Verwendungsperiode: ab dem 9. August 1867

(kein Beleg registriert)

- Die Einschreibegebühr, festgelegt im obengenannten Postvertrag betrug 20 Centimes. Das Gesamtporto für einen Einschreibebrief der ersten Gewichtsstufe war also 40 Centimes.

Verwendungsperiode: ab dem 9. August 1867

(kein Beleg registriert)

c) Korrespondenz nach den Niederlanden

- Durch den Postvertrag vom 1. Dezember 1851 zwischen Luxemburg und den Niederlanden wurde der Tarif für Briefe bis zu 15 Gramm auf 40 Centimes festgelegt[10]. Reduziert auf 20 Centimes wurde dieser Tarif ab dem 1. Mai 1869, durch den Postvertag vom 2-3. März 1869[11].

Verwendungsperiode: 9.August 1867 bis 30. April 1869

(2 Belege registriert)

- Durch den Postvertrag vom 2-3. März 1869 zwischen Luxemburg und den Niederlanden wurde der Tarif für Briefe von 15 Gramm bis 30 Gramm (2. Portostufe) auf 40 Centimes festgelegt.

Verwendungsperiode: 1. Mai 1869 bis 30. Juni 1875

(kein Beleg registriert)

- Die Einschreibegebühr, festgelegt im obengenannten Postvertrag betrug 20 Centimes. Das Gesamtporto für einen Einschreibebrief der ersten Gewichtsstufe war also 40 Centimes.

Verwendungsperiode: 1. Mai 1869 bis 30. Juni 1875

(kein Beleg registriert)

Abb.2

Abb. 2: portogerechter Brief vom 24. Oktober 1868 nach den Niederlanden mit der farbig durchstochenen 40 Centimes Marke[12]

d) Inlandskorrespondenz

- Durch das Postgesetz vom 12. Januar 1855[13] und vom 23. Dezember 1864[14] wurde das Inlandsporto von 10 Centimes für Briefe bis zu 10 Gramm bestätigt. Die 4. Portostufe, von 30 Gramm bis 40 Gramm betrug also 40 Centimes.

Verwendungsperiode: ab dem 9. August 1867

(kein Beleg registriert)

- Die Einschreibegebühr laut Postgesetz vom 12. Januar 1855 und vom 23. Dezember 1864 betrug 10 Centimes. Das Porto eines Einschreibebriefes der 3. Portostufe von 20 Gramm bis 30 Gramm betrug also 40 Centimes.

Verwendungsperiode: ab dem 9. August 1867

(kein Beleg registriert)

2) Postanweisung

Die Postanweisungen wurden in Luxemburg, durch den Beschluss vom 26. Mai 1866, am 1. Juli 1866 eingeführt. Die Tarife betrugen 12,5 Centimes, für jede Postanweisung, welche nicht über 93 Franken 75 Centimes (25 Thaler) hinausgeht, resp. 25 Centimes für jede Postanweisung über 93 Franken 75 Centimes bis zu 187 Franken 50 Centimes (50 Thaler)[15]. Durch den Beschluss vom 26. Mai 1868 wurde das Porto ab dem 1. Juli 1868 auf 20 Centimes für jede nicht über 100 Franken hinausgehende, und auf 40 für jede von 100 bis 200 Franken gehende Postanweisung festgesetzt[16]. Dieser Tarif wurde nochmals durch die Gesetzbestimmungen vom 4. Mai 1877 über den Postdienst bestätigt[17], doch erlaubten diese nun eine Postanweisung über telegraphischem Wege.

Postanweisungsformulare wurden weder an die Empfänger noch an die Absender ausgehändigt. Für die Post galten diese als Beweis der Auslieferung ihres Auftrages, und nach Verjährung mussten diese vernichtet werden.

Auf dem philatelistischen Markt sind nur einige Postanweisungsformulare zu 12,5 Centimes und zu 25 Centimes bekannt, die auf unerklärtem Wege durchgedrungen sind.

Heutzutage ist es bekannt, dass die Luxemburger Post sowohl postfrische als auch gestempelte Marken in grossen Mengen an die Händler verkaufte.

Vermutlich wurden die Marken von den Postanweisungsformularen abgelöst und verkauft. Dies wäre eine plausible Erklärung, weshalb es viele zentral gestempelte 40 Centimes Marken gibt, abgestempelt in fast sämtlichen Postbüros, doch es sind fast keine Belege dieser Marke bekannt. Die Abstempelungen auf losen 40 Centimes Marken fallen grösstenteils in die Periode von 1869 bis 1875, wo es keinen einzigen Tarif eines einfachen Briefes der ersten Portostufe mehr gab.

Abb.3 600px Abb. 3: zentral gestempelte 40 Centimes Marken

Wir bedanken uns bei Lars Böttger für das Zusenden eines 40 Centimes Briefes nach den Niederlanden, der sich noch nicht in unserer Registratur befannt.

Für weitere Anregungen oder Kommentare zu diesem Artikel sind die Autoren sehr dankbar


Olivier Nosbaum
135, rue de Bettembourg
L-5811 Fentange
Tel.: 621-494065
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Marc Schaack
6, rue Thomas Byrne
L-3761 Tétange
Tel.: 26175387
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[1] ANLUX, H-1136.

[2] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg – Administration des postes et des télégraphes – histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 220.

[3] ANLUX, H-1136 ; (Abbildung dieses Dokumentes : Muller-Nosbaum, Essais & épreuves, retouches, réimpressions, 2014, 77)

[4] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg – Administration des postes et des télégraphes – histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 220.

[5] Maurice Baeten 155, 2-3. April 1981, 748 (Sammlung Crustin).

[6] Statistisch gesicherte Aussagen sind nicht möglich, aber eine gewisse Tendenz lässt sich ableiten.

[7] Memorial I, N°16, 1852

[8] Memorial I, N°4, 1868

[9] Memorial I, N°21, 1867

[10] Memorial I, N°93, 1851

[11] Memorial I, N°14, 1869

[12] Raymond Goebel, Symposium 98 Histoire Postale Luxembourg, 1998, 114

[13] Memorial I, N°2, 1855

[14] Memorial I, N°34, 1864

[15] Memorial I, N°19, 1866

[16] Memorial I, N°11, 1868

[17] Memorial I, N°54, 1877

 

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht  im "LE MONITEUR DU COLLECTIONNEUR" 2016/4 Seite 188 (Organe officiel de la fédération des sociétés philatéliques du Grand-Duché de Luxembourg)