Geschrieben von : Marc Schaack & Olivier Nosbaum

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Besondere Stücke der Luxemburger Wappenausgabe

1. Der Seligson 1 FRANC Brief

An dieser Stelle sollen in regelmäßigen Abständen besondere Stücke der Luxemburger Wappenausgabe vorgestellt werden.  Bei dem hier vorgestellten Brief handelt es sich um einen der bedeutendsten, wenn nicht um den bedeutendsten Beleg der gesamten durchstochenen Ausgabe. Nicht nur, weil er wegen der guten Erhaltung und der schönen Vierfarben-Frankatur besonders ins Auge sticht, sondern auch weil diese Kombination einmalig ist. Das Bedeutendste ist, dass sich auf diesem Brief zwei Marken befinden, die auf Dokumenten sehr selten sind. Einerseits die 1 FRANC Marke. Von dieser Marke existieren noch einige Paketkarten.[1] Auf Brief ist sie so gut wie nicht zu finden. Wir haben bis jetzt neben diesem Brief erst zwei nicht komplette Briefvorderseiten aus gleicher Korrespondenz registriert, wovon bei einer Vorderseite Marken fehlen. Des Weiteren registrierten wir fünf Brieffragmente, darunter zwei Mischfrankaturen. Einzelfrankaturen sind bis jetzt nicht bekannt. Die zweite, auf Beleg seltene Marke ist die 40 Centimes Marke. Es handelt sich hierbei um die zweite Auflage, die Prifix Nr. 25. Von dieser Marke registrierten wir nur vier Briefe, eine beschädigte Vorderseite, einen halben Brief und drei kleine Fragmente. Des Weiteren existiert ein spätverwendeter Gefälligkeitsbrief von 1905, mit einer Nr73, Adolf im Profil, der nur der Ordnung halber erwähnt werden soll, philatelistisch aber wenig bedeutend ist.

 

Vorder B25 31 18780613

Abb. 1 Briefvorderseite

 

Rueckseite B25 31 18780613

Abb. 2 Briefrückseite

 

Wert 
(Prifix Nr.)
Stempel-
datum
Abstemplungs-
ort
Erhaltung
Provenienz

19,24,25,30

13.6.78

Troisvierges

Brief

Seligson 5349;Feldman 84, 51081;
Houser, 2072

19,24(2x),32

25.12.77

Wiltz

Briefvorderseite, nicht komplett
Corinphila 80, 1990, 4488

24,30, +?

21.2.78

Wiltz

Briefvorderseite, nicht komplett
Sammlung Rudi Kremer

20(3x),24(2x)

13.5.78

Wiltz

Fragment
Köhler, 300, 1998, 735;
Soluphil 122, 2014, 854
24 (2x)
14.5.79
Echternach
Fragment (untere Briefhälfte)
Privatsammlung
18(2x),24
14.7.74
Wiltz
Kleines Fragment
Soluphil 107, 2008, 730
24
20.?.?
Luxembourg
Kleines Fragment
Privatsammlung
24
?.7.74
Troisvierges
Kleines Fragment
Soluphil 115, 2010, 1077

 

Tabelle 1: Briefe und Fragmente mit dem 1 FRANC Wert.  Nicht aufgelistet sind Paketkarten und Fragmente solcher. Bei den Provenienzen werden Auktionshäuser nur einmal aufgeführt, wenn die gleichen Lose in mehreren aufeinanderfolgenden Auktionen angeboten wurden. Nur vorherige Sammlungen, die aufgelöst wurden, werden erwähnt, und nicht die aktuellen Besitzer, auch wenn sie uns bekannt sind.

 

Wert
(Prifix Nr.)
Stempel-
datum
Abstemplungs-
ort
Erhaltung
Provenienz
19,24,25,30
13.6.78
Troisvierges
Brief
Seligson 5349;
Feldman 84, 51081; Houser, 2072
19,25
2.8.77
Remich
Brief
Burrus 256?[2]
Feldman 84, 51080; Houser, 2071
29,25(2)
2.11.75
Troisvierges
Brief
Melusina 3, 1502
25
5.11.76
Clervaux
Brief
David Delhaye 2013, 1672
19,25
30.11.80
Luxembourg-Gare
Briefvorderseite
Sammlung Couvée
25
17.3.81
Grevenmacher
Briefhälfte
Privatsammlung
25,73
13.11.05
Diekirch
Gefälligkeitsbrief
Philux 2, 1980, 432
25
9.10.75
Remich
Kleines Fragment
Privatsammlung
25
?.6.83
Remich
Kleines Fragment
Privatsammlung
25
?
Luxembourg
Kleines Fragment
Sammlung Richter 59[3]

 

Tabelle 2: Briefe und Fragmente mit dem 40 Centimes Wert Nr. 25. Bei den Provenienzen werden Auktionshäuser nur einmal aufgeführt, wenn die gleichen Lose in mehreren aufeinanderfolgenden Auktionen angeboten wurden, nur vorherige Sammlungen, die aufgelöst werden genannt, nicht die aktuellen Besitzer, auch wenn sie uns bekannt sind.

Erklärungen zum Porto

Seit dem 1. Januar 1876 trat der Vertrag zur Gründung des Allgemeinen Postvereins für die Korrespondenz von Luxemburg nach Frankreich in Kraft (Memorial I, N°30, 1875).

Das Porto für einen Brief bis 15 Gramm betrug 25 Centimes. Da der oben gezeigte Brief 15,5 Gramm wog, war die zweite Portostufe anzuwenden, d.h. 50 Centimes.

Durch das Gesetz vom 4. Mai 1877 wurde hauptsächlich der luxemburger Postdienst reformiert (Memorial I, N°54, 1877). Unter anderem wurde die Recommandations-Gebühr für den Inlandverkehr von 10 Centimes auf 20 Centimes heraufgesetzt. Daraufhin war ein zusätzlicher Beschluss für den Auslandverkehr notwendig, der am 25. September 1877 folgte: „art. 1. Vom 1. Oktober des Jahres ab, wird die Recommandationsgebühr für Sendungen aus dem Grossherzoghtum nach den Ländern des Allgemeinen Postvereins, mit Ausschluss von Deutschland, auf 20 Centimes festgesetzt.“ (Memorial I, N°54, 1877).

Über Sendungen mit angegebenem Wert, verfügt das Gesetz von 1877 in Art. 64 wie folgt: „Sendungen mit Werthangabe, deren Gewicht 100 Gramm nicht übersteigt, können unter Kreuz-Couvert von Papier oder Wachsleinwand befördert werden. Sie müssen mit zwei oder mehreren vollständig gleichen, und dem Absender eigenen Siegelabdrücken aus demselben Lacke verschlossen, und diese so angebracht sein, dass sie den Vorschriften des Art. 61 entsprechen.“ (Memorial I, N°54, 1877).

Die damalige Gebühr für Wertsendungen entsprach 20 Centimes per 100 Franken.

Da der gezeigte Brief mit einem Wert von 500 Franken deklariert war, entsprach die Gebühr 1 Franken.

Fazit: 50 Centimes Briefporto + 20 Centimes Recommamdationsgebühr + 1 Franken Wertgebühr = 1 Franken 70 Centimes.

Zusätzliche Anmerkung: seit der Gründung des Allgemeinen Postvereins wurde das Wort „chargé“ in der Gesetzgebung nicht mehr benutzt, und wurde durch „recommandé“ ersetzt. Hierbei handelt es sich um die gleiche Leistung; es gab Chargé-Briefe mit und ohne Wertangabe, genauso wie recommandierte Briefe mit und ohne Wertangabe. In vielen Postburös wurden die „Chargé“ Stempel einige Jahre später erst durch „Recommandé“ Stempel ersetzt, wie dies der Fall in Troisvierges war.

Erklärung zur Route:

Am 13. Juni 1878 wurde der Brief in Troisvierges aufgegeben, und wurde am folgenden Tag von Luxemburg Bahnhof weitergeleitet in Richtung Frankreich. Auf dem Grenzbüro Avricourt in Frankreich wurde der Brief nachgewogen und erhielt den rechteckigen Stempel auf der Rückseite. Dieser Stempel trägt die Initialen „AVP 2°C“, was für die Bahnlinie „Avricourt – Paris 2“ steht.

In den beiden ersten Zellen dieses Stempels wurde das Gewicht in Gramm und Centigramm eingetragen; die 15,5 Gramm wurden also korrekt nachgewogen.

In den folgenden Zellen wurden die Anzahl der Siegel, die Farbe der Siegel und die Initialen des Absenders, die sich auf den Siegeln befanden, eingetragen. Leider sind uns diese Initialen „Hg“ unbekannt.

Das Château d’Aulnay liegt in einem Vorort von Paris, und das am nächsten gelegene Postamt befand sich in Le Bourget, wo der Brief auch am 15. Juni 1878 ankam.

 

Provenienz:

Der Brief ist erstmals in der Sammlung Seligson nachweisbar, die 1982 versteigert wurde, dann Taucht er noch einmal 1984 in einer Feldman Auktion auf, in der sich viere bedeutende Luxemburger Briefe befinden. Eine große Anzahl dieser stammt aus der zwei Jahre zuvor versteigerten Seligson Sammlung. Dann blieb er annähernd 30 Jahre verschollen, bis er im Mai 2014 in Amerika in der Houser Sammlung versteigert wurde. Auf der Rückseite ist noch mit Bleistift die Losnummer 5349 sowie das Ergebnis cor 6500 (fr suisses) notiert.

-         Los 5349 Sammlung Isac Seligson (Corinphila 68, 25-30 Oktober 1882)

-         Los 51081 Luxemburg classic covers (David Feldman S.A. 37, 24-27 Oktober 1984)

-         Los 2072 Sammlung Gary H. Houser (Robert A. Siegel 1069, 14 Mai 2014)

Schlussfolgerung:

Wie bereits oben erwähnt, gehören Briefe mit den Marken der Nr. 24 und 25 zu den großen Seltenheiten der luxemburger Philatelie. Auch auf Fragmenten, die für die Erforschung von Verwendungszwecken aufgrund der Seltenheit der Briefe mit berücksichtigt werden müssen, sind diese Marken schwer zu finden. Ihre Bedeutung ist daher nicht zu vernachlässigen. Falls Sie Briefe oder Fragmente dieser Marken besitzen, oder noch aus Auktionskatalogen kennen, würde es uns freuen, wenn Sie uns bei der Registrierung weiterhelfen könnten, indem Sie uns Scans oder Kopien zukommen lassen.

 

Marc Schaack
6, rue Thomas Byrne
L-3761 Tétange
Tel. : 26 17 53 87
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Olivier Nosbaum
135, rue de Bettembourg
L-5811 Fentange
Tel. : 49 12 10
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[1] Siehe hierfür: Nosbaum, O. u. Schaack, M., Analyse der ersten Paketkarten Luxemburgs an Hand eines Beispiels, in: Le Moniteur du Collectionneur, 4, 2015, 188-191.

[2] Willy Balasse 199, 26 Oktober 1963. Vom Los ist kein Foto abgebildet, es ist aber wahrscheinlich, dass es sich um diesen Brief handelt.

[3] Schlegel 15, 27-28 Oktober 2014.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht  im "LE MONITEUR DU COLLECTIONNEUR" 2015/5 Seite 215 (Organe officiel de la fédération des sociétés philatéliques du Grand-Duché de Luxembourg)