Geschrieben von : Marc Schaack & Olivier Nosbaum
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Besondere Stücke der Luxemburger Wappenausgabe

2. Der „Koh-i-Noor“

Bernard Wolff schrieb im Vorwort der 144. Balasse Auktion vom Mai 1954 über die Teisen Sammlung „…Le magnifique bloc de quatre du 37 ½ centimes bistre de l’émission des timbres percés en lignes colorées, est sans conteste la seule pièce que l’on ait jamais vue ; c’était le Koh-i-Noor[1] de la collection Teisen, aussi sa valeur est-elle inestimable.“

Obschon in den letzten Jahren die Bedeutung von seltenen Belegen auf Kosten von großen Einheiten in den Ausstellungssammlungen zugenommen hat, so bleibt dieses Stück doch einzigartig. Mehr als 60 Jahre sind seit der Versteigerung der Teisen Sammlung vergangen. Seitdem ist auch kein weiterer Viererblock aufgetaucht. Was macht dieses Stück so wertvoll, so besonders, so einzigartig? Die Marke der 37 ½  centimes hat mit 24.100 Exemplaren[2], die geringste Auflage aller Wappenmarken. Es verwundert daher nicht, dass Einheiten selten sind. Ungebraucht ist bis jetzt nicht einmal ein Paar bekannt. Gebraucht sind sehr wenige Paare[3], sowie ein waagerechtes Paar und Einzelmarke auf Fragment, zusammen mit einer 12 ½ centimes[4] bekannt.

Vorder und Rueckseite

Abb. 1: Vorder- und Rückseite (mit Notizen und Unterschriften) des Viererblocks.

 

Provenienz

Erstmals erwähnt wird der Viererblock im Centilux Katalog von 1952 auf Seite 187. Hier werden im Katalog der ausgestellten Sammlungen  unter den Namen der Aussteller auch die bedeutendsten Stücke der Sammlungen erwähnt. In der Sammlung 7. von Dr. Magonette A. G. E., Charleroi „… bloc de 4 du n° 22, 37 ½ centimes (unique pièce connue).“ Die Centilux Ausstellung fand bekanntlich vom 24 Mai bis zum 4 Juni 1952 statt. Bereits am 3, 4 und 6 Dezember fand die 133. Balasse Auktion statt, in der die Sammlung von Dr. Magonette versteigert wurde. Der Block muss wohl von Louis Teisen erworben worden sein. Er besaß ihn aber nicht einmal anderthalb Jahre, denn am 8, 9, 10. und 15. Mai wurde seine Sammlung in der 144.  Balasse Auktion versteigert. Wer hier der Käufer war, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Ob es der Einlieferer der 41. Soluphil Auktion war ist denkbar. Dann wäre der Block 35 Jahre lang in der gleichen Sammlung geblieben. Danach verliert sich die Spur wieder für über zwanzig Jahre, bis er 2010 in der vierten Melusina Auktion wieder auftaucht.

-1952 Sammlung Magonette (Willy Balasse 133, 1952, 1096).

-1954 Sammlung Teisen (Willy Balasse 144, 1954, 584).

-1989 (Soluphil 41, 1989, 3047).

-2010 Sammlung Melusina 4 (Soluphil 115, 2010, 1496).

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Abb. 2: Titelbild der Magonette Sammlung (links) und Werbekarte anlässlich der Teisen Sammlung (rechts), die die Bedeutung des Viererblocks unterstreichen.

 

Abb.3

Abb. 3: Rekonstruktion des Viererblocks mit dem Paar (obere Marken) aus der Sammlung Francis Rhein.

 

Was passierte mit dem Block zwischen dem 21. Juli 1871 (Tag der Abstempelung) und dem Erwerb durch Dr. Magonette, vor 1952. Es ist möglich, dass er sich einige Jahre, vielleicht Jahrzehnte, in der Sammlung von Dr. Magonette befand.Es gibt einige Hinweise, die dafür sprechen, dass der Block erstmals in Amerika auftauchte. Betrachtet man die Rückseite, so ist das Fragment auf der Marke mehrfach mit Bleistift beschriftet. Neben den Unterschriften W. Balasse und Goebel, sowie der Nr. 1096, die sich auf die Auktion von 1952 bezieht, sind noch einige Vermerke, die aber schwer zu entziffern und in einen Kontext zu stellen sind. Eine davon ist aber „56 Dollar“. Der relativ niedrige Betrag und die Wertangabe sind ein erster Hinweis für ein frühes Auftreten in Amerika. 

Eine sehr interessante Neuentdeckung konnten wir beim Paar aus der Sammlung Rhein machen. Dieses passt von der Abstemplung exakt oberhalb vom Viererblock. Es müssen sich also mindesten sechs Marken auf dem Brief befunden haben. Ob es ein Sechserblock war muss unklar bleiben, auch deshalb weil uns beim Paar nicht das Originalstück vorliegt, sondern nur die schwarzweiß Kopie aus dem Katalog. Die Losbeschreibung „37 ½ c. gris-brun, 2 pièces formant paire, lég défauts. R.“ (Willy Balasse 960, 1968, 531). Francis Rhein ist zwar in Luxemburg geboren, lebte aber in den U.S.A., wie unter Anderem aus der Einleitung des eben erwähnten Balasse Katalogs zu erfahren ist. Also wieder ein Hinweis der nach Amerika führt. Unklar ist, ob sich die beiden Einzelmarken noch auf einem Fragment befinden. Das Papier auf dem sich der Viererblock befindet wurde an der oberen Stelle abgerissen, um das Paar abzutrennen, ansonsten wurde es mit der Schere vom Brief getrennt. Es bleibt auch unklar, ob die beiden Einzelmarken heute noch zusammen sind. Nach der Auktion von 1968, konnten wir keinen Hinweis über dessen Verbleib finden. Auch wenn es nicht mehr  nachweisbar ist, so spricht ein Tarif von mindesten 6 mal 37 ½, also 2 Franken 25 centimes, eher für einen Übersee Brief.

Für die Nachforschungen über die Sammlung Dr. Magonette, möchten wir uns herzlichst bei Yves Vertommen, Vincent Schouberechts und Hans van Bree bedanken.

 

 

Für weitere Hinweise über die Herkunft des Blocks oder bezüglich des Paares würden wir uns sehr freuen. 

Marc Schaack
6, rue Thomas Byrne
L-3761 Tétange
Tel. : 26 17 53 87
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Olivier Nosbaum
135, rue de Bettembourg
L-5811 Fentange
Tel. : 621 49 40 65
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[1] Auszug aus Wikipedia: „Der Koh-i-Noor („Berg des Lichts“, persisch كوه نور [kuh-ə-nuːr]) ist ein knapp 110-karätiger Diamant (22 g), der heute Teil der britischen Kronjuwelen ist. Der Stein ist einer der bekanntesten Diamanten der Welt, obwohl es heute bei weitem größere und wertvollere Diamanten gibt.“

[2] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg - Administration des postes et des télégraphes - histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 220

[3] Wir haben nur fünf Paare registriert: Melusina 1 (Soluphil 110, 2009, 1016); 2 pièces formant une paire, Sammlung Rhein (Willy Balasse 960, 1968, 531). Drei Paare stammen aus einer älteren Luxemburger Sammlung, die Anfang Juli dieses Jahres in einer Auktion angeboten wird.

[4] Köhler 300, 1998, 730.

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht  im "LE MONITEUR DU COLLECTIONNEUR" 2016/3 Seite 157 (Organe officiel de la fédération des sociétés philatéliques du Grand-Duché de Luxembourg)