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Olivier Nosbaum

Die Entstehung der Briefmarken des Wappentyps

Vorgeschichte

Bis heute gibt es wenig Literatur zur Entstehung der Briefmarken des Wappentyps. Bekannt ist nur dass der Verzicht auf das Kupferstichverfahren hauptsächlich aus Kostengründen geschah. Herr Crustin erwähnt außerdem in seinem Artikel über die Wappenausgabe, der in der „Monographie des Timbres aux Armoiries“ von 1963 erschienen ist, einen Kontakt mit dem Herzogtum Oldenburg, um Erkundigungen über das Steindruckverfahren einzuziehen. Sonstige Veröffentlichungen über die Einführung der neuen Marken sind mir nicht bekannt.

Schließlich gibt es aber eine umfassende Dokumentation und Information über die Einführung der neuen Briefmarken im Luxemburger Nationalarchiv (ANL). Und dank einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit Post Philatélie konnte ich auch einen Großteil der alten Korrespondenz der Postverwaltung mit ausländischen Postverwaltungen sowie mit Druckern und Graveuren einsehen, was mir die Klärung der Sachlage erlaubte.

Diskussionen über die Einführung anderer Werte als die von 10 Centimes („Schwaarze Kapp“) und die von 1 Silbergros  („Roude Kapp“)

Die erste Diskussion über die Einführung neuer Werte geht auf den 11. August 1855 zurück. Der Generaldirektor des Inneren schlägt dem Herrn Postdirektor vor, „die Frage der Einführung frankierter Umschläge für das Freimachen der Korrespondenz aufzuwerfen. Die Annahme dieses Systems hat den Vorteil, den mehrfachen Gebrauch eines solchen Umschlags auszuschalten, wie das für Briefmarken der Fall sein kann, da diese Umschläge den Stempel jedes Ausgangsamtes tragen… Damit zusammen hängt auch die Frage der Schaffung von 20 c-Marken, worüber in den letzten Tagen im Publikum anscheinend die Rede war und die vor allem der Handel im Hinblick auf die Verbindungen mit dem Ausland für notwendig darstellt. Preußen hat das doppelte System der frankierten Umschläge und der Briefmarken bewahrt, und ich denke auch bei uns wäre seine Einführung vorteilhaft…“ (ANL Akte H1228).

Die Antwort des Direktors vom 27.August 1855 hebt hervor, dass „sicherlich, wer eine Sendung zu frankieren hat, einen frankierten Umschlag vorziehen wird, weil er den gratis erhält, d.h., nur das Porto des Briefes zu bezahlen braucht. Wenn das Benutzen von Umschlägen für das Publikum von Vorteil ist, wird dagegen die Staatskasse einen Verlust verbuchen. Denn das Benutzen frankierter Umschläge wird den Umfang der Korrespondenzen nicht erhöhen; die Staatskasse würde also verlieren, indem sie bei der königlichen Druckerei in Berlin die Umschläge herstellen ließe… Wenn der Gebrauch der Umschläge erlaubt würde, bräuchte man deren von 1, 2 und 3 Silbergros. Man bräuchte deren von 10 Centimes für das Inland des Großherzogtums und deren von 20, 30 und 40 Centimes für Belgien und Frankreich, .im ganzen sieben Arten für deren jede eine Druckplatte nötig wäre. Die frankierten Umschläge würden nicht nur der Staatskasse neue Kosten aufbürden,  sondern ihre Ausgabe würde den Verkauf der Briefmarken, die schon so teuer waren,  lahmlegen, indem man diese nur noch für das Zusatzporto übergewichtiger Briefe verwenden würde.

Aus diesen Gründen glauben wir uns gegen die Einführung frankierter Umschläge aussprechen zu müssen, was niemanden hindern wird, sich gewöhnlicher Umschläge zu bedienen und diese wie bisher mit Briefmarken zu frankieren. Wir sind auch der Meinung, dass sich die Herstellung einer neuen Kategorie von Briefmarken aufdrängt, aber nicht von 20 c, sondern von 30c, da sie häufiger zur Anwendung kämen. Die Briefmarken zu 20 c könnten nur zum Freimachen der Korrespondenz für die belgische Provinz Luxemburg dienen, während die von 30 c für den ganzen Rest Belgiens Verwendung fänden und man nur eine 10 c-Marke hinzufügen müsste für das Porto nach Frankreich und den Niederlanden. Diese neuen Marken  werden nicht so viel kosten wie die ersten, weil man sie mit dem galvano-plastischen Verfahren herstellen kann.“ (ANL H1228)

Am 10. November 1855 antwortet ihm der Generaldirektor des Inneren dass „… der Bedarf solcher Umschläge sich nur für gewichtige Briefe  bemerkbar gemacht hat, die das Publikum zurzeit so mit zusätzlichen Briefmarken überladen muss, dass manchmal nicht genug Platz für die Adresse bleibt. Mein Vorhaben muss also entsprechend begrenzt werden.

Anstelle der Einführung von Marken zu 20 c sollte man also frankierte Umschläge à 30 c schaffen, für, wie Sie bemerken, Belgien und, mit einer zusätzlichen 10 c-Marke, für Frankreich und die Niederlande….“ (ANL H1228)

Die Postverwaltung wandte sich anschließend an den Graveur Liez aus der Stadt Luxemburg, um zu erfahren, ob er solche Umschläge herstellen könne und wenn ja zu welchem Preis.

Am 3. Juni 1856 teilte der Graveur Liez mit, dass er Umschläge gleicher Größe wie die Preußens liefern könne. Er bot auch an, Briefmarken zu iefern zum selben Preis, wie ihn die preußische Verwaltung zahle, d.h.6 Franken 51 Centimes für hundert Blatt, jedes 150 Marken umfassend.

Am 5. Juni 1856 informiert der Postdirektor den Generaldirektor des Inneren wie folgt über dieses Angebot: „… Außer den Gründen, die wir in unserm vorerwähnten Bericht vom 27. August 1855 gegen die Verwendung von frankierten Umschlägen vorgebracht haben, gibt es noch einen weiteren, der es verdient, erwähnt zu werden. Das ist der große Preisunterschied zwischen den Umschlägen und den Briefmarken. Laut dem Kostenvoranschlag des Graveurs Liez  würden 100 Umschläge 1.50 Franken kosten, was für die etwa 30.000, die wir im Jahr für die Frankierung der Briefe nach Belgien, Frankreich und die Niederlande  bräuchten, eine Summe von 450 Franken ausmachen würde. Dagegen würden Briefmarken für ein Jahr nur 22,79 Franken kosten, für zehn Jahre 227,90 Franken, also nicht einmal die Hälfte dessen, was eine einzige Kategorie von Umschlägen à 30 c für ein Jahr kosten würde.

Folglich sprechen wir uns weiterhin gegen die Verwendung von Umschlägen aus und haben die Ehre, Ihnen die Einführung von Briefmarken von 2 und 3 Silbergros und von 30 und 40 Centimes vorzuschlagen. Wir glauben Sie darauf aufmerksam machen zu müssen, dass die von Herrn Liez zu liefernden Marken durch typographischen Druck hergestellt würden, also wie diejenigen Preußens.“ (ANL H1228)

Damit war die Diskussion über die frankierten Umschläge geschlossen; ich habe dazu keine weitere Spur in den Archiven gefunden.