Geschrieben von : Marc Schaack & Olivier Nosbaum

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Wappen 1875 - Lokaldruck
Brück: Großes und kleines Format

Einleitung

In der philatelistischen Literatur stößt man nur auf den Begriff „grosses Format“, und dieses wird auch nur in den alten Prifix Katalogen erwähnt. Der Begriff „kleines Format“ wird nirgends erwähnt.

Schock beschreibt die Zähnung der Marken des Luxemburger Druckes folgendermaßen:

« … La plupart de ces timbres sont irrégulièrement dentelés. Presque toujours la dentelure empiète sur la vignette, de sorte que le plus souvent il y a un ou deux cotés du timbre n’ayant aucune marge blanche autour du dessin alors que les cotés opposés à ceux-ci possèdent une marge très respectable, mesurant parfois jusque trois millimètres.„ » [1].

Der Zähnungsvorgang wird von Klein ausführlicher beschrieben:

« Der Kammrücken wies 12, die beiden Seitenarme je 14 Durchstiche auf. Mithin zählen die Breitenränder 13, die senkrechten 15 ganze Zähne. Die Zähnung ging vom untern Bogenrand aus. Jeder Schlag des Kammes zähnte die 10 Marken einer Bogenbreite im untern Rande und zugleich die beiden Seitenränder. Die Operation nahm ihren Fortgang nach oben und schloss mit einem 11. Kammschlag die Zähnung der oberen Markenreihe ab. Dabei wurde naturgemäss der obere Bogenrand durchzähnt. Einseitig ungezähnte Marken können bei diesem Verfahren nur entstehen, wenn der 11. Kammschlag ausfällt. In diesem Fall bleibt die obere Marke oben ungezähnt und hängt ohne Durchlochung mit dem Bogenrand zusammen. Stücke in dieser Verfassung wurden bis jetzt nicht gesichtet.

Eine Merkwürdigkeit, die zugleich ein charakteristisches Merkmal der Brück’schen Zähnung ist, verdankt ihr Dasein einem Kalkulationsfehler bei Einrichtung der Zähnungsmaschine. Die Länge der Kammarme stimmt nicht exakt mit der Höhe der Marken überein. Sie ist etwa ½ mm zu kurz. Somit erhielt der obere Zahn jeder Seitenzähnung die doppelte Breite eines normalen Zahnes. Dieser breite obere Zahn ist ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Luxemburger Druck einerseits und Haarlemer Druck und den vielfach versuchten Nach-und Fälschungszähnungen. Nur in den seltensten Fällen, wenn die untere Zähnung durch das Markenbild verläuft, erhält der letzte Zahn eine normale Breite.»[2].

Großes Format

Für einige Werte benutzt der Prifix-Katalog im Laufe der Zeit wechselnde Begriffe, die schlussendlich nichts anderes bedeuten als ein großes bis sehr großes Format:

1 Centime teilweise ungezähnt: wird ab 1975 im Prifix erwähnt

1 Centime großes Format: wird ab 1984 im Prifix erwähnt

1 Fr. teilweise ungezähnt: wird ab 1975 im Prifix erwähnt

1 Fr. großes Format: wird ab 1960/61 im Prifix erwähnt

Abb1

Abb. 1. In einem Auktionskatalog [3] wird dieses Fragment mit einem kleinen Format (Typ 1b)  und einem großen Format (Typ 3a) wie folgt beschrieben: „...2 ex s/frag, dont un présente la très rare variété NON DENTELE EN BAS...“.

Abb2

Abb. 2. Die 1 Franken Marke von einem großen Format bis zu einem sehr großen Format (alle vom Typ 4a), wobei der obere linke und rechte Teil der Marke teilweise ungezähnt blieb.

Eine solche Versetzung des Zähnungskammes kann auf jeder der zehn Bogenreihen vorkommen.

Marke 1: Sehr leichte Versetzung des Zähnungskammes. Der obere Zahn ist etwas grösser als der übliche obere Zahn der Brückmarken.

Marke 2: Versetzung um etwa eine Zahnlänge. Der Fehler wurde beim Ansetzen des Zähnungskammes für die darauffolgende obere Reihe korrigiert.

Marke 3: Versetzung um etwa eine Zahnlänge. Der Fehler wurde beim Ansetzen des Zähnungskammes für die darauffolgende obere Reihe nochmals zu tief angesetzt, und verläuft durch das obere Markenbild.

Marke 4: Versetzung um über zwei Zahnlängen. Der Fehler wurde beim Ansetzen der unteren Bogenreihe begangen und für die darauffolgende zweite Reihe korrigiert.

Kleines Format

Ganz neu und selbstständig sind die nachfolgenden Überlegungen zur Relation „großes Format / kleines Format“.

Das kleine Format basiert einerseits auf einem Fehler des zu tief angesetzten Kammes. Dadurch geht die Zähnung durch das obere Markenbild und verkürzt somit diese Marke. Die darauffolgende Korrektur der darüberliegenden Reihe führt zu einem großen Format. Andererseits kann ein großes Format so entstehen, dass die darüberliegende Reihe zu hoch angesetzt ist. Hieraus resultiert für die darüberliegende Reihe ein kleines Format und für die darunterliegende Reihe ein großes Format.

Das kleine Format existiert nicht nur bei 1-Centime- oder 1-Franken-Marken, sondern wurde auch auf anderen Marken gesichtet.

Zusätzlich fällt auf, dass das große Format / kleine Format auf der 1-Franken-Marke häufig mit Gefälligkeitsstempel „Esch-sur-Alzette“ vom Typ 32 vorkommt.

Abb3

Abb. 3. Marken vom Typ 1a, 2a und 3a.

Marke 1: Kleines Format. Der Fehler wurde beim zu tiefen Ansetzen des Zahnkammes für die darauffolgende obere Reihe begangen.

Marke 2: Kleines Format. Der Fehler wurde beim zu tiefen Ansetzen des Zahnkammes für die darauffolgende obere Reihe begangen, die Zähnung verläuft durch das obere Markenbild[4]. Die Marke wurde am oberen Rand abgeschnitten, sie behielt somit einen Teil der oberen Marke vom großen Format.

Marke 3: Großes Format. Die Marke wurde durch Scherentrennung im unteren Rand auf die korrekte Größe gekürzt. Die sich ursprünglich darunter befindende Marke entsprach wohl der Beschreibung der Marke 2.

Typologie

Bei dieser Analyse konnten 4 Typen herausgegliedert werden:

Typ 1a: Kleines Format, die Zähnung verläuft oben durch das Markenbild.

Typ 1b: Kleines Format, die Zähnung verläuft unten durch das Markenbild.

Typ 2a: Kleines Format mit Teil vom großen Format oben.

Typ 2b: Kleines Format mit Teil vom großen Format unten.

Typ 3a: Großes Format, unten am Rand gekürzt.

Typ 3b: Großes Format, oben am Rand gekürzt.

Typ 4a: Großes Format mit Teil vom Markenbild, bzw. Rand inklusive Zähnung unten.

Typ 4b: Großes Format mit Teil vom Markenbild, bzw. Rand inklusive Zähnung oben.

Abb4 200px

Abb. 4. Rekonstruktion der zwei möglichen Trennungen, die zu den vier verschiedenen Typen führen.

Dadurch, dass bei Typ 3 und 4 die Zähnung oben bzw. unten nicht bis zum Ende des Markenbildes verläuft, verblieb die Marke teilweise ungezähnt und wurde auf deren Stellen, auf der linken und der rechten Seite, abgerissen.


[1] J. Schock, Les timbres-poste du Luxembourg, Le Moniteur du Collectionneur, 1900, 150

[2] J.-P. Klein, Wappen-Marken des Großherzogtums Luxemburg. In: F.S.P.L. (Hrsg.), Monographie des timbres aux armoiries du Grand-Duché de Luxembourg, (Luxemburg 1963) 79.

[3] Soluphil 41, 17. Juli 1989, 3059.

[4] Die Zähnung verläuft durch das obere Markenbild, ist aber nur auf der Rückseite gut zu erkennen, da die Reihe nicht vollständig ausgestanzt ist

 

Marc Schaack
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Olivier Nosbaum
135, rue de Bettembourg
L-5811 Fentange
Tel. : 49 12 10
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Aus "LE MONITEUR DU COLLECTIONNEUR 2016" - Nr. 1 von Olivier Nosbaum und Marc Schaack