Geschrieben von : Olivier Nosbaum & Marc Schaack

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Analyse der ersten Paketkarten Luxemburgs an Hand eines Beispiels

Am 18. Juli 2015 fand das Symposium der Arge Belux im Foyer de la Philatélie in Luxemburg statt. Auf Nachfrage von Präsident Lars Boettger nach Referenten, präsentierten die Verfasser des vorliegenden Artikels vier Themen der klassischen Philatelie. Eines dieser Themen befasste sich mit der Einführung der Fahrpost Karten und deren Gebrauch ab der Mitte der  70er und der frühen 80er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Alle diese Karten, die seit den 1950er Jahren nach und nach auf dem philatelistischen Markt aufgetaucht sind, stammen bis auf eine Ausnahme, in dieser Periode, aus nur einer einzigen Korrespondenz. Bis zu dem oben genannten Datum, galt die Portozusammensetzung als ungelöst, selbst Experten mussten eine Prüfung verweigern. 2014 wurde sogar eine solche Karte bei einem grossen Auktionshaus als ohne Obligo/Garantie angeboten, mit der Begründung, dass die Meinung von Sammlern und Experten über dieses Stück seit Jahren auseinander gehen.

Der hier vorgestellte Artikel beruht auf jahrelangem Forschen und Durchforsten von philatelistischer Literatur, etlichen Auktionskatalogen, Gesetzen und sonstiger legislativer Literatur. Das Ergebnis wollen wir Ihnen nun an Hand einer solcher Fahrpost Karte präsentieren.

Durch den Königlich Grossherzoglichen Beschluss vom 6. Dezember 1873 (Memorial I, N° 32 von 1873) trat folgende Bestimmung in Kraft: „ Jede Sendung deren Gewicht 2 Kilogramm übersteigt, wird als Paket angesehen und behandelt ... Für Sendungen aus und nach den Ländern des Deutschen Reichs-Postgebiet, mit Ausschluss von Oesterreich-Ungarn, ist das Minimal-Porto auf 25 centimes reduziert.“

Dieser Beschluss tratt am 1. Januar 1874 in Kraft und erwähnt keine detaillierten Portosätzen für die verschiedenen Länder. Auch nach der Gründung der UPU und dem Beitritt Luxemburg findet man keine detaillierte Zusammenstellung der Portosätze in den Postverträgen zwischen Luxemburg und Deutschland (Memorial I, N° 24, 1878) als auch in dem Beschluss zwischen Luxemburg und Frankreich ( Memorial I, N° 30, 1875). Auch das Gesetz vom 12. Dezember wodurch der am 1. Juni 1878 zu Paris abgeschlossene Vertrag, genehmigt wurde (Memorial I, N° 19, 1879), schweigt über präzise Fahrposttarife.

Aus einer Post-Instruktion (N° 27, 10. Januar 1874) geht  Folgendes hervor:

Zur grösseren Beschleunigung der Packetförderung hat die Postverwaltung Formulare zu Post-Packetadressen herstellen lassen, welche vom 1. Februar 1874 ab für sämmtliche bei der Post zur Einlieferung kommenden Packete, und zwar sowohl für die gewöhnlichen und recommandirten Packete, als auch für die Packete mit Werthangaben und Postvorschüssen, an Stelle der bisherigen Packet-Begleitadressen, von den Absendern in Anwendung zu bringen sind.... Bei der Bestellung bz. Abholen der Packete müssen die Post-Packetadressen von den Empfängern an die bestellenden Boten bz. die Postanstalten zurückgegeben werden...“

Von dieser einen, oben erwähnten Korrespondenz sind nach heutigem Stand 16 frankierte Karten bekannt. Sämtliche Karten wurden von der Banque Nationale in Luxemburg an die Thomas & Cie Banquiers in Longwy, nach Frankreich verschickt.

Für Pakete gab es in den 70er keine direkte Postverbindung nach Frankreich, und mussten deswegen über Deutschland oder Belgien versendet werden.

Die hier vorgestellte Karte, aufgegeben am 8. August 1879, lief über Diedenhofen (das damals dem Deutschen Reichs-Postgebiet angehörte) nach Longwy, und passierte die deutsch-französische Grenze in Audun-le-Roman. Anhand der handschriftlichen Vermerke auf dieser Karte, wurde ein Paket von 719 Gramm verschickt, dessen Wert 10.000 Franken betrug.

 

Vorderseite der Paketkarte

Abb. 1: Vorderseite der Karte

 

Curriculum dieser Karte:

Los 5380, Corinphila Auktion 25-30 Oktober 1982 (Seligson Sammlung);

Los 51105, 37. David Feldmann Auktion 24-27 Oktober 1984;

Los 2075, Siegel Auktion 14 Mai 2014 (Houser Sammlung)

 

Für dieses Paket setzt sich das Porto folgendermassen zusammen:  
Porto nach Frankreich über Deutschland (Reis 1897, 303)[1] 1 fr. 25 cent.
Porto nach Diedenhofen (1. Zone) ( Reis 1874, 15)[2] 56,25 cent.
Porto für Wertsendungen 12,5 cent. für jede 375 fr. (Reis 1897, 292)[3] (bei dieser Karte die 27. Portostufe: 27 x 12,5) 3 fr. 37,5 cent.
Dies ergibt ein Porto von: 5 fr. 18,75 cent.

Auf der gezeigten Karte befinden sich aber nur Marken auf der Vorderseite im Nominalwert von 1 fr. 18,5 centimes. Betrachtet man die Rückseite der Karte, so fallen einem die Manipulationsspuren auf. Links auf der oberen Hälfte ist noch ein halber Stempelabschlag sichtbar, wo sich Marken in Form eines Viererblocks befanden.

Auch andere Manipulationsspuren sind auf der Karte sichtbar. Der rautenförmige Stempelabschlag auf der Vorderseite deutet darauf hin, dass noch zwei französische Steuermarken über den Briefmarken klebten. Zu dieser Zeit waren noch folgende französische Steuern zu zahlen: eine Zustellungsgebühr (droit de factage) von 25 centimes, und eine Zollgebühr von 10 centimes. Diese Steuermarken befinden sich nur noch auf einer der bereits erwähnten 16 Karten, bei allen Anderen wurden sie abgewaschen. Ein Teil der Karten besitzt noch alle Luxemburger Marken, bei Einigen fehlen aber Mehrere, die abgelöst wurden.

 

Rueckseite der Paketkarte

Abb. 2: Rückseite der Karte


Interessant ist auch anzumerken, dass sämtliche Karten auf der Vorderseite unten in der linken Ecke handschriftlich (mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Entdecker der Karten) nummeriert sind. Bei einem Teil wurde diese Nummerierung ausradiert, sie ist dann aber jeweils noch schwach erkennbar. Dadurch lässt sich anhand der höchsten bis jetzt bekannt gewordenen Nummerierung, (der Nr. 37) eine Mindestzahl der existierenden Karten errechnen. Es existieren aber auch Fragmente, von denen aber bis jetzt nur ein Einziges dieser den Karten zugewiesen werden konnte. Dies war nur möglich weil die Karte aus der das Fragment ausgeschnitten wurde noch existiert. Möglich ist, dass die bekannten Fragmente oder ein Teil dieser auch aus dieser Korrespondenz stammen. Des Weiteren ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Karten zuerst auf dem Luxemburger Markt aufgetaucht sind. Es spricht daher Einiges dafür, dass sich noch Einige in Luxemburger, womöglich älteren Sammlungen befinden. Falls Sie eine solche oder ein Fragment besitzen, würde es uns freuen, falls Sie uns kontaktieren würden.


[1] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg - Administration des postes et des télégraphes - histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 303.

[2] Reis, J.-P., Porto-Tarif für Packetsendungen nach und aus dem Grossherzogthum Luxemburg und nach fremden Ländern (Luxembourg 1874), 15.

[3] Reis, J.-P., Statistique historique du Grand-Duché de Luxembourg - Administration des postes et des télégraphes - histoire des postes, des télégraphes et des téléphones (Luxembourg 1897), 292.

Olivier Nosbaum Marc Schaack
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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht  im "LE MONITEUR DU COLLECTIONNEUR" 2015/4 Seite 188 (Organe officiel de la fédération des sociétés philatéliques du Grand-Duché de Luxembourg)