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STEMPEL DER LANDPOST

 

1. DIE BRIEFKASTENSTEMPEL

Die Briefkastenstempel wurden 1836 von der belgischen Verwaltung bei der Einrichtung der Landpost eingeführt, nach dem französischen Vorbild von 1830.

IHRE VERWENDUNG

Zu ihrer Verwendung gibt das belgische Reglement der Landpost vom 20. August 1836 sehr ausführliche Anweisungen. Ich verweise auf die Artikel 18, 20, 25 und 27-30.
     Eine luxemburgische Vorschrift Nr. 71/1350 (zitiert bei Poos, S. 327) führt dazu folgende Einzelheiten an: „Die Artikel 23 und 25 der am 23. September 1863 genehmigten speziellen Anweisung über den Dienst der Briefträger verlangen, dass die Landbriefträger im Dienst immer mit einem ausreichend mit Stempeltinte angefeuchteten Stempelkissen versehen sind und dass der Abdruck des festen Stempels, den jeder Kasten enthält, korrekt auf dem Rechnungs- und Bestellzettel Nr. 8 sowie auf der rechten oberen Ecke der den Kästen entnommenen Briefen angebracht wird.“

IHRE BEFESTIGUNG

Die Art der Befestigung der Stempel in den Kästen gab Anlass zu Meinungsverschiedenheiten. A. Ungeheuer in seiner Studie von 1946 schreibt, der Stempel sei im Kasten mit einem Kettchen befestigt gewesen. Doch sind sich Augenzeugen (Albert Kauthen und Robert Krantz), die nach dem Zweiten Weltkrieg im Mauerwerk öffentlicher Gebäude vergessene Kästen von der Post bergen ließen, sicher, dass diese Stempel auf der Innenseite des Kastendeckels befestigt waren.

Das wird bestätigt durch die im Postmuseum aufbewahrten Stempel, welche auf Platten befestigt sind, die an ihren Enden Schraubenlöcher tragen.
briefkastenstempel b 550px breite

briefkastenstempel w 550px breite

Stempel, die im Postmuseum ausgestellt sind
 
In Frankreich war „ein Buchstabenstempel von ungefähr 10 mm im Inneren jedes Kastens festgeschraubt.“
Siehe http://jef.estel.pagesperso-orange.fr/rurale.html. (Großartige Sammlung über die Landbriefträger)

IHRE FORM

Die Stempel der Briefkasten bestanden aus Großbuchstaben, die umrahmt waren von einem Kreis, einem Oval (nur in einem Fall) oder einer Raute.
     In Belgien nennt man sie übrigens „littera“ (in Singular und Plural), nach dem lateinischen Wort für „Buchstabe“, und in Frankreich heißen sie einfach „Buchstabenstempel“ (timbres-lettre).
In Frankreich (aber weder in Belgien noch in Luxemburg) gab es Stempel, die aus einer Majuskel mit einer darunter stehenden Ziffer (Bsp. A/2) bestanden. Sie waren für Nebenkästen bestimmt, die Gemeinden auf ihre Kosten in Orten ihrer Wahl angebracht hatten.

DREI SERIEN

In Luxemburg gibt es drei Serien von Briefkastenstempeln:
 
Serie 1 (seit 1838)
Einzelner Großbuchstabe in einem Kreis von (abgesehen von wenigen Ausnahmen) 9 oder 10 mm Durchmesser.
Vollständige Serie, begreifend alle Buchstaben des Alphabets, ausgenommen das J.
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Aus Sammlung von W. Schwickert
Serie 2 (ebenfalls seit 1838)
Zwei Großbuchstaben (wovon der erste immer das A ist) in einem Kreis von 13 bis 15 mm.
Unvollständige Serie.
AW von Boewingen bei Klerf nicht in einem Kreis, sondern in Oval von 17 x 13 mm.

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file0094 aw 150
Aus Sammlung von W. Schwickert
 
Serie 3 (spät, Ende der 70er, außer AR)
Zwei Großbuchstaben in einer Raute von 11 x 11, 12 x 9 oder 12 x 10 mm.
Unvollständige Serie.
Abgesehen vom AR von Koerich (verwendet ab 1846) ist der erste Buchstabe nicht das A.
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Aus Sammlung von W. Schwickert