Von Ady Christoffel
aus der Brochure zur Ausstellung vom 7. und 8. April 2001
Siehe Maximumkarte von 2001

 

ANDRÉ GIDE (1869-1951)
 

2001 maximum 50

 
Der am 22. November 1869 in Paris geborene André Gide war ein Schriftsteller, dessen Werk charakterisiert ist durch Fragen persönlicher Moral, Probleme der Psychologie und sozio-politische Optionen. Er unternimmt Reisen in die Schweiz, Italien, die Türkei, in den Kongo und den Tschad. 1925, bei einer neuerlichen Afrika-Reise, beginnt er das Kolonialsystem Frankreichs zu kritisieren. Ab 1932 fühlt er sich vom Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion angezogen und wird 1936 von der Regierung der UdSSR offiziell eingeladen; an der Seite Stalins spricht er die Grabrede Maxim Gorkis. Doch wird er bald mit dem Stalinismus brechen.
 

Unter seinen Werken seien erwähnt: Les Nourritures terrestres (1897), L’Immoraliste (1902), La Porte étroite (1909), Les Caves du Vatican (1914), sein erster großer Erfolg, La symphonie pastorale (1919), Les Faux Monnayeurs (1926), sein einziger Roman, Voyage au Congo (1927), Retour du Tchad (1928), Retour de l’URSS (1936) und schließlich seine autobiographischen Werke Si le grain ne meurt (1920) und sein Journal (ab 1939).


villa Emile Mayrisch 50Die ehemalige Villa der Mayrisch in Düdelingen, Ort der Begegnung zwischen André Gide und den Mayrisch; heute Sitz der Fondation Kräizbierg (Foto Marcel Schroeder)

1947 erhält André Gide den Nobelpreis für Literatur. Als erstem Schriftsteller widerfährt ihm die Ehre, noch zu seinen Lebzeiten in der Sammlung der Bibliothèque de la Pléiade veröffentlicht zu werden. Er stirbt am 19. Februar 1951 in Paris. 1952 werden die Opera omnia Andreae Gide auf den Index der verbotenen Bücher der katholischen Kirche gesetzt.

Die Beziehungen André Gides zu Aline Mayrisch de Saint-Hubert (1862 – 1947) beginnen, als diese 1903, unter dem Pseudonym „A. M. de Saint-Hubert“ einen Artikel mit dem Titel Immoraliste et surhomme [Immoralist und Übermensch] in der Brüsseler Revue L’Art moderne veröffentlicht. 1909 folgt ein Text, der André Gides Erzählung La Porte étroite gewidmet war. Sie treffen sich in Paris bei Madame Maria van Rysselberghe, der Frau des belgischen Malers. Zusammen mit Henri Ghéon unternehmen sie Reisen nach Deutschland (Weimar und Berlin), Griechenland, der Türkei und Marokko.

Aline Mayrisch wird Mitarbeiterin der Nouvelle Revue Française, die 1909 von André Gide, Jean Schlumberger, Jacques Copeau, Henri Ghéon, André Ruyters und Marcel Drouin neu gegründet worden war. Unter anderem veröffentlicht sie dort einen Artikel über Rainer Maria Rilke mit einigen, von André Gide übersetzten Seiten.

Der Schriftsteller weilte acht Mal in Luxemburg, zuerst in Düdelingen (im Januar, April und Juli 1919 und im Januar 1920), dann in Colpach, dem neuen Besitztum der Mayrisch, zwischen 1920 und 1929. In der Villa der Mayrisch auf Düdelingen-Kräizbierg begann er mit Verfassung seines einzigen Romans Les Faux Monnayeurs, und zwar „ in der Bibliothek Frau Mayrischs, einem der reizendsten Laboratorien, die sich träumen lassen“, wie er in seinem Tagebuch vermerkt. Der Roman wurde 1926 veröffentlicht; schon 1922 waren in der deutschen Übersetzung von Dieter Bassermann, die Aline Mayrisch durchgesehen hatte, Les Caves du Vatican erschienen. Zu Kriegsbeginn (1940-1941) wurde André Gide ein Jahr lang von Frau Mayrisch in ihrer Besitzung La Messuguière in Cabris (F) aufgenommen.

Dank den Mayrischs begegnete André Gide in Colpach deutschen Persön-lichkeiten wie dem Außenminister Walther Rathenau und dem Professor Ernst Robert Curtius. Das waren historische Begegnungen im Zeichen einer Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland.

Am 22. November 1994, dem 125. Geburtstag André Gides, wurde eine Gedenkplatte an der Fassade der ehemaligen Mayrisch-Villa auf dem Kreuzberg in Düdelingen angebracht, auf Initiative der Zeitschrift Europerspectives.

Am 20. März 2001 gab das luxemburgische Postunternehmen eine Briefmarke heraus aus Anlass des 50. Todestages des Schriftstellers und des 75. Erscheinungsjahres seines Romans Les Faux Monnayeurs.


BIBLIOGRAPHIE:

• Tony Bourg: La rencontre Rathenau – Gide à Colpach;
in d’Letzeburger Land, 24.4.1964
• Colpach, édité sous la direction de Robert Stumper, 1957, 1978
• Romain Durlet: André Gide, voyageur européen, ami des Mayrisch;
in Bulletin des Amis d’André Gide, avril 1995
• Germaine Goetzinger, Gast Mannes, Frank Wilhelm:
Hôtes de Colpach, Mersch, 1997
• Robert Stumper: Témoignage sur André Gide;
in d’Letzeburger Land, 16.3.1973
• Frank Wilhelm: A propos des relations d’André Gide avec le Luxembourg;
in Luxemburger Wort, Die Warte, 24.11.1994

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DANKSAGUNG\r\n

Wir danken herzlich all jenen, die beim Postunternehmen unser Bemühen um die Ausgabe einer André-Gide-Gedenkmarke unterstützt haben:

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Mars DI BARTOLOMEO Bürgermeister der Stadt Düdelingen
Guy DOCKENDORF Direktor der Kulturellen Angelegenheiten,
Erster Regierungsrat
Romain DURLET Journalist, Chefredaktor der Revue Europerspectives
Germaine GOETZINGER Direktionsbeauftragte des Nationalen Literaturzentrums
Cornel MEDER \r\n
Direktor des Nationalarchivs,
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Sekretär des Cercle des Amis de Colpach
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Liliane THORN-PETIT Journalistin
   
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QUELLE

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Plakette zur Ausstellung des Cercle PHILA von April 2001
Übersetzung aus dem Französischen: Fernand Rasquin