Die Martinuskirche von Düdelingen

von Robert Sibenaler, Pfarrer in Düdelingen
aus der Broschüre zur Ausstellung vom 4. und 5. Mai 1991
Siehe Zeichnung auf dem Sonderumschlag von 1991. DIE MARTINUS KIRCHE VON DÜDELINGEN

Die typische und eindrucksvolle Fassade der Pfarrkirche von Düdelingen, so wie sie auf dem Sonderstempel abgebildet ist, mit dem die Post das 70jährige Bestehen des Cercle Phila ehrt, beherrscht das Stadtbild von Düdelingen seit Beginn des 20. Jahrhunderts.
Vorher stand aber schon eine Martinuskirche am Fuße des Strutzbierg. Ein schöner Erinnerungsstein mit dem Wappen der Familie De Chanclos - Du Bostmoulin wurde im Jahre 1990 an der Stelle der alten Pfarrkirche errichtet und am Martinusfest desselben Jahres von Erzbischof Jean Hengen, einem Sohn der Stadt Düdelingen, eingesegnet.
 
Mit der Industrialisierung im Süden des Landes schnellte in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Bevölkerungs­zahl sprunghaft empor. 1870 zählte Düdelingen nur 1228 Einwohner, während 30 Jahre später die Einwohnerzahl schon auf 8783 gestiegen war.
Aus dem relativ großen Marktflecken entstand die Stadt Düdelingen. Die alte Kirche am Strutzbierg war bald zu klein, und die Verantwortlichen in Gemeinde und Pfarrei dachten an einen Neubau.
 
Am 25. Mai 1891 beschloß der Gemeinderat den Bau einer neuen Kirche. Nach langwierigen Verhandlungen über den Bauplatz konnte der erste Spatenstich am 18. August 1893 erfolgen. Wenn auch seit 1898 der Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert wurde, so fand die feierliche Konsekration erst am 11. Juni 1904 statt. Damals war dies die größte Pfarrkirche des Landes.
 
Die Kirche selbst ist ein imposanter Bau in neogotischem Stil. Besonders die Fassade sticht ins Auge und beherrscht mit den beiden Türmen das Stadtbild von Düdelingen.
 
Im Inneren der Kirche finden wir zwei Stile: das Gewölbe und die Bogenspannungen erinnern an die Romanik, derweil das Chor von der Gotik inspiriert ist. Besonders wertvoll ist im Innern der Kirche der Kreuzweg, der von dem Düdelinger Künstler und Maler Dominique Lang in den Jahren 1900 bis 1906 geschaffen wurde. Dieser Kreuzweg ist nach allgemeiner Ansicht von Kunstkennern das bedeutendste Kunstwerk der Düdelinger Pfarrkirche und wurde vor kurzem vollständig restauriert.
 
Im Chor der Kirche sind drei monumentale Fenster mit Darstellungen aus dem Leben der heiligen Barbara, des heiligen Martinus sowie des heiligen Johannes des Täufers. Diese Chorfenster, die den Abschluß der ganzen Kirche markieren, wurden 1951 von Emile Probst aus Luxemburg entworfen.
 
Die Kirche von Düdelingen ist in den Jahren 1923-27 komplett ausgemalt worden. Es war Bruder Notker Becker aus der Abtei Maria Laach, der diese Arbeiten sowohl entworfen wie auch ausgeführt hat. Für Bruder Notker, der in seiner Heimat jetzt immer mehr entdeckt wird, war die Kirche von Düdelingen nach eigenen Worten sein größtes Werk. Momentan wird das Werk von Bruder Notker restauriert, sofern dies möglich ist, denn leider wurden vor Jahren viele kostbare Wandmalereien über­tüncht.
 
Es lohnt sich schon, die Kirche von Düdelingem aufzu­suchen und sich Zeit zur Betrachtung der verschiedenen Malerei­en zu nehmen. So kann man gleich beim Betreten der Kirche im linken Seitenschiff die Taufkapelle mit den zahlreichen biblischen Symbolen bewundern. Jedes Gewölbe in den Seitenschiffen hat eine andere Ornamentik, die man als Band um die Fenster wiederfindet. An den zwölf Außenpfeilern wurden nach altem Brauch die Apostelkreuze hinzugefügt.
 
Weitere Beachtung sollte man unbedingt den beiden Seitenkapellen schenken: der Muttergotteskapelle mit Szenen aus dem Leben Marias sowie rechts der Herz-Jesu-Kapelle mit der Darstellung der Parabel des Verlorenen Sohnes. Im Mittelschiff sind es dann die beiden bedeutenden Heiligenprozessionen: rechts die heiligen Männer, links die heiligen Frauen. Die Prozession wird im Triumphbogen zum Chor von heiligen Engeln empfangen, die den Weg ins Heiligtum des Chores zeigen. Im Chor selbst sind herrliche Medaillons mit Szenen aus dem Alten Testament, die auf das Geheimnis der Eucharistie hinweisen. Weitere Beachtung sollte man dem holzgeschnitzten Hauptaltar sowie den beiden Nebenaltären widmen. Am Hauptaltar verdie­nen die beiden Szenen der Krippe und der Auferstehung beson­dere Beachtung. An den Nebenaltären sind es die Pieta und die Darstellung des Todes des heiligen Josef.

Der Besuch der Düdelinger Pfarrkirche lohnt sich. Für Führungen steht gerne ein Verantwortlicher der Pfarrei bereit.

Robert Sibenaler, Pfarrer †