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Von 1928 bis 1939

Von Ady Christoffel
aus der Broschüre zur Ausstellung vom 11. und 12. Mai 1996

     Chronikschreiber können aus dem vollen schöpfen, wenn die Vereinsverantwortlichen früherer Zeiten, Sekretäre und Kassierer, ihre Bücher korrekt geführt haben. Fur Phila Düdelingen ist dies der Fall, reichen die Sitzungsberichte der Monats- und Generalversammlungen doch bis ins Jahr 1928 zurück. 
 

DER BRIEFMARKEN-TAUSCHVEREIN

          Der Düdelinger Briefrnarken-Tauschverein, so die offizielle Bezeichnung, wurde arn 17. April 1921 im Lokal Et. Müller, Wolmeringerstraße 5, unter dem Namen PHILA von folgenden Mitgliedern gegründet: Ch. Artois, W. Clamm, J.J. Diderich, J. Gougnard, J. Kinzinger, J.P. Klein, H. Lentz, R. Marx, Et. Müller, A. Pauly, Mme Poos, Ch. Reichling, P. Reuland, Fr. Stalder, A. Wagner, E. Wolff und J. Wolff.
     Unter den Vereinen, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden, gilt er als ältester, bloß die UTL (Union des Timbrophiles de Luxembourg) ist noch älter. Die Statuten der UTL dienten als Vorlage fur jene des neuen Vereins, die bei Willems gedruckt wurden.

chronik 1

Exemplar der ersten Statuten des Briefmarken-Tauschvereins "Phila" von 1921
 
DIE GRÜNDERJAHRE
    
     Gründungspräsident war der ausgezeichnete Briefmarkenkenner Jean-Jacques Diderich, der den Verein bis zu seinem Tod im Jahr 1929 leitete. Anfangs traf man sich abwechselnd in den Versammlungsräumen verschiedener Gaststàtten, deren Inhaber zu den Mitgliedern zählten, weil mit dieser Maßnahme das Sammeln von Briefmarken populärer werden sollte. Diderich hielt in den monatlichen Versammlungen Fachvorträge ùber seine fast vollständige Luxemburgsammlung. Tauschgeschäfte wurden abgewickelt mittels der Tauschalben der UTL.
 

Erster Vorstand:

W. Clamm Ehrenpräsident
J.J. Diderich Präsident
H. Lentz Sekretär
Et. Müller Kassierer
J. Wolff Tauschleiter

     Interessant sind auch Preisvergleiche aus jener Zeit: die Nummer 1, der "Schwarze Kopf", postfrisch fur 20 bis 25 Franken; die Nummer 54 (25 Centimes Allégorie) postfrisch, fur 4 bis 5 Franken.
     In der Versammlung vom 19. August 1928 hielt UTL-Pràsident Wolff einen Vortrag über die älteren Luxemburger Marken, ùber die verschiedenen Abstempelungen, Wasserzeichen, das Papier und die Zähnungen am Beispiel der Allegorie-Marken. Er riet den Zuhôrern, serienweise zu sammeln und nicht an ausländische Händler zu verkaufen, da diese nur bereit waren, unter Katalogpreis zu kaufen. Laut Bericht soll der Vortrag ùber zwei Stunden gedauert haben! Wolf versprach, künftig nochmals nach Düdelingen zu kommen und einen Lichtbildervortrag zu halten.
 
chronik 2

Hotel Engels, das spätere Hotel Hild, Sitz des Cercle Phila in den zwanziger Jahren

    
    In der Generalversammlung vom 16. Dezember 1928 legte Kassierer Goetten den Kassenbericht vor, der einstimmig angenommen wurde. Der gesamte Vorstand wurde in seinen Ämtern bestätigt; neue Mitglieder waren Lehrer Jean-Pierre Klein sowie Jean Becker. Der Jahresbeitrag betrug 15 Franken.
     Ende 1929 wurden die Berichte über die Monatsversammlungen von Alterspräsident Nic. Schoetter unterzeichnet, da Präsident Diderich erkrankt war. In der Versammlung vom 15. Dezember gedachten die Anwesenden des verstorbenen Präsidenten, der am 20. Oktober 1929 zum letzten Mal eine Monatsversammlung geleitet hatte.
     Mit Reklameplakaten warb man in den besseren Lokalen für die jeweilige Monatsversammlung; nachher wurden die Plakate eingesammelt und fur die nächste Versammlung mit einem neuen Datum versehen.
     In der Generalversammlung vom 19. Januar 1930 wurde J.P Klein zum Präsidenten gewählt. Kassierer verblieb J. Kinzinger, Sekretär Jean Konter. In der folgenden Monatsversammlung wurde Nic. Schoetter zum Vizepräsidenten bestimmt.
     Um die Mitglieder aufzumuntern, die monatlichen Versammlungen zu besuchen, gab es Präsenzprämien, die in jeder Versammlung verlost wurden. Der Zufall wollte es dann gelegentlich, dass die eifrigsten Mitglieder nicht vom Glück begünstigt waren, deshalb entschied man sich dafür, ab 27. April 1930 die Präsenzen zu notieren und die Mitglieder im Verhältnis ihrer Präsenzen am Schluß des Jahres zu belohnen, ein Brauch, der bis heute beibehalten wurde.
     Für die Monatsversammlung vom 18. Januar 1931 lag das Demissionsschreiben von Schriftfùhrer Konter vor.

                           Neuwahl des Vorstandes 1931

J.P. Klein 
Präsident 
Nic Schoetter  Vizepräsident 
J. Kinzinger  Kassierer 
Josy Goy  Beisitzender 

    

     Der Posten des Sekretärs sollte erst nach Rücksprache mit Herrn J. Konter besetzt werden, der sich schließilich nach zwei Monatsversammlungen bereit erklärte, die Berichte weiterhin zu verfassen.
     Nach der Revision der Kasse durch die Herren Goetten und Junius lag der Kassenstand am 31. Dezember 1930 bei 539,60 Franken.

 

 ÄLTESTES MITGLIEDERVERZEICHNIS (1930-1931)
 1.    J.P. Klein, Präsident
 16.  André Niclou
 2.    Nicolas Schoetter, Vizepräsident
 17.  Jean Koerperich
 3.    Jacques Kinzinger, Kassierer
 18.  Jean Lorang
 4.    Jean Konter (oder Conter), Sekretär
 19.  Pierre Kiesgen
 5.    Pierre Goetten, Kassenrevisor
 20.  Pierre Kohn
 6.    Josy Junius, Kassenrevisor
 21.  Michel Hoffmann
 7.    Charles Artois
 22.  Jean Wagner
 8.    Hubert Wolff
 23.  Pierre Kolbach
 9.    René Majerus
 24.  M. Nappi
 10.  Jean Reuland
 25.  Jean-Pierre Nilles
 11.  Robert Goerens
 26.  Victor Brandenbourger
 12.  Jean Becker
 27.  Josy Goy
 13.  Leon Becker
 28.  Maury Swartz
 14.  Joseph Pauly
 29.  Emile Adam
 15.  Joseph Frantzen
 
 
     In der Generalversammlung vom 17. Januar 1932 legte Präsident J.P. Klein eine Schweigeminute für den früheren Kassierer Pierre Goetten ein. In einem Brief dankte Frau Goetten dem Verein für ,,die schöne Kranzspende”. Die Neuwahi des Vorstands vertagte man auf die nächste Monatsversammlung, die als außerordentliche Generalversammlung einberufen wurde. Der amtierende Präsident kandidierte nicht mehr, Gründe dafür sind in den Sitzungsberichten nicht angegeben. Seine Nachfolge übernahm Jean Becker. Jacques Kinzinger blieb Kassierer, Jean Konter Sekretär, neue Beisitzende wurden Josy Goy und Pierre Kiesgen. Auch der neue Präsident hielt in der Tradition seiner Vorgänger philatelistische Referate, so z. B. über die Adolfmarke 20 Centimes braun und über die Zähnungsarten.
     In der Monatsversammlung vom 17. April 1932 wurden zwei ,,Schwarze Köpfe” (Nummer 1) versteigert, einer mit Barrenstempel für 35 Franken, der andere mit Ringstempel für 65 Franken. 
     Der Verein besuchte die Briefmarkenausstellung vom 7. August 1932 in Echternach und besorgte Briefumschläge für die Flugpostmarken. Preis für die Fahrt 30 und für den Sonderumschlag 4 Franken. 
     Die Generalversammiung vom 25. September 1932 machte es offenbar, daß der Verein eine Krise durchlief: auf der Tagesordnung stand die Wahl eines Präsidenten, die aber nicht zustande kam, was zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Mitgliedern führte. Logische Folge: die dritte Generalversammlung für 1932, und zwar am 10. Oktober! J.P. Klein fehlte mit Entschuldigung; Emile Adam wurde einstimmig zum Präsidenten gewählt.
        
DIE GRÜNDUNG DER FSPL

     Durch die enge Zusammenarbeit zwischen der UTL und den übrigen Luxemburger Vereinen entwickelte sich allmählich die Idee eines Dach­verbandes der Sammlervereine. In einem Statutenentwurf, der sich als Schreibmaschinendurchschlag im Phila-Archiv befindet, steht als Grün­dungsdatum der FSPL der 15. August 1932 in Echternach. Die Vereine Düdelingen und Differdingen beteiligten sich an der Ausarbeitung bzw. Abänderung der Statuten, wobei die Anzahl der Delegierten, die jeder Verein in den Conseil général entsenden darf, zur Diskussion stand. Die effektive Gründung des Verbandes erfolgte am 16. Juli 1933 in Diekirch durch die Gründungsvereine: UTL Luxemburg, Philatelia Differdingen, Phila Düdelingen, Suralz Diekirch-Ettelbrück und Mersch.
     Die definitive Annahme der Statuten erfolgte auf der Delegierten­versammlung vom 12. November im Café Métropole-Bourse zu der die FSPL durch Präsident Eugène Lemmer und Sekretär Heischbourg eingeladen hatte.Der Verband erhielt die Bezeichnung „Fédération des Sociétés Philatéliques du Grand-Duché de Luxembourg"; er wurde am 22. Februar 1934 durch Notar Jean-Michel-Edmond Reiffers in Luxemburg als „asbl" eingetragen, mit den Unterschriften folgender Herren:

          1.  Bernard Wolff, Bürochef, wohnhaft in Luxemburg.
          2.  Eugène Lemmer, Geschäftsmann, wohnhaft in Esch/Alzette.
          3.  Jean-Pierre Heischbourg, Lehrer, wohnhaft in Luxemburg.
          4.  Henri Schwinnen, Gemeindeeinnehmer, wohnhaft in Differdingen.
          5.  Emile Adam, Ingenieur, wohnhaft in Düdelingen.
          6.  Lucien Hansen, Baukonduktor, wohnhaft in Luxemburg.
          7.  Mathias Martin, Architekt, wohnhaft in Luxemburg

     Am 12. März desselben Jahres erfolgte die Veröffentlichung im „Memorial" (Recueil Spécial 1934, N°16); die Eintragungskosten betrugen 3 Franken.     Präsident der FSPL war Eugène Lemmer, Generalsekretär Jean-Pierre Heischbourg, Kassierer Henri Schwinnen. Die Gründung der Expertisen­kommission geht auch auf das Jahr 1934 zurück.
     Der erste Verbandskongreß fand am 22. Juli 1934 in Hollerich statt im Rahmen einer von der UTL organisierten Briefmarkenausstellung; zuvor waren die Delegierten noch zu einem Conseil général im Café Métropole-Bourse in der Neutorstraße eingeladen, auf dem der kommende FIP-Kongreß in Lugano zur Diskussion stand mit den Hauptpunkten: nicht föderierte Länder sowie Fälschungen. Generalsekretär Heischbourg wurde dazu bestimmt, die FSPL auf diesem Kongreß zu vertreten. Aus dem Bericht zum Conseil général erfahren wir, daß der Präsident des Vereins Hollerich-Bonneweg im letzten Augenblick sichweigerte, den notariellen Akt der FSPL zu unterschreiben; folglich war dieser Verein nicht Mitglied des Verbandes.
     Den nicht föderierten Vereinen Luxemburgs sagte die FSPL den Kampf an: es war den Mitgliedern des Verbandes strengstens untersagt, an Ausstellungen dieser Vereine teilzunehmen; ihnen drohte dabei der Ausschluß aus dem Verband.
DER ZWEITE ANLAUF, DIE AUSSTELLUNG VON 1937
     Nach dem Tod seines Gründungspräsidenten war der noch junge Verein Phila ins Schlittern geraten. Nicht weniger als vier Kandidaten versuchten sich von 1930 bis 1937 in der Führung: die Herren Schoetter (stellvertretender Präsident), Klein, Becker und Adam.
     Nachdem Präsident Emile Adam seinen Wohnsitz nach Esch verlegt hatte, übernahm Jean-Pierre Nilles 1937 die Geschicke des Vereins.
     Er hatte sofort seine Bewährung zu bestehen mit der nationalen Ausstellung vom 25. und 26. Juli 1937, die von der FSPL unter Mitarbeit unseres Vereins orga¬nisiert wurde.
     Außer dem Präsidenten gehörten Mitte 1938 noch folgende Mitglieder dem Vorstand an: René Bontemps, Léon Goergen, Marcel Kries, Emile Adam, Jean (Pierre) Klein und Jean Konter, der noch immer den Sekretärposten innehatte.
     Auch 1939 lag die Leitung in der Hand seines Präsidenten J.P. Nilles, Sekretär war weiterhin J. Konter, beide aus Düdelingen. Jeden Monat trafen sich die Mitglieder am dritten Sonntag ab 14.00 Uhr im Vereinslokal Café-Restaurant Natale Radrizzi, Stadthausplatz in Düdelingen.
 
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Vereinslokal Hotel Schneider mit der Stadtwaage(Bascule)
 
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Café Natale Radrizzi, Stadthausplatz, Vereinslokal 193971940


     In der Zeitschrift Le Luxembourg philatélique (Jahrgang 1/1 vom 23. April 1939) wurde der Verein für die tadellose Organisation der nationalen Ausstellung vom 25.-26. Juli 1937 gelobt; auch dem Block Düdelingen I, der bei diesem Anlaß ausgegeben wurde, war ein voller Erfolg beschieden.

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Die Eröffnung der Nationalen Ausstellung am 25. Juli 1937 im Düdelinger Stadthaus


     Beim Verkauf der Blocks herrschten allerdings chaotische Zustände. Jeder Besucher der Ausstellung konnte nur einen einzigen Block erwerben mit der Folge, daß die Interessenten sich immer wieder hinten anstellten. Händler gaben Jugendlichen eine Belohnung, damit sie Schlange standen, um einige weitere Blocks für ihren Auftraggeber zu ergattern. Das Gedränge war riesig. Einer Dame wurde dabei die Bluse entrissen; es gab auch Verletzte; so war ein Armbruch zu beklagen. Eine Taufe erfolgte mit erheblicher Verspätung, weil die Hebamme in der Schlange stand, um auch ihren Düdelinger Block zu erwerben. Nachdem das Postbüro geschlossen war, erzielte der Block bereits Schwarzmarktpreise, was bei einer Auflage von 70.000 Stück eigentlicht nicht verständlich ist.

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Der Andrang bei der Nationalen Ausstellung von 1937


     1939 war Präsident J.P. Nilles Mitglied des Conseil général der FSPL. An der Nationalen Ausstellung zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit unseres Landes hatten die Düdelinger Vereinsmitglieder Léon Goergen und René Bontemps teilgenommen; sie belegten die Ränge 4 und 6.
     Trotz der drohenden Kriegsgefahr hatten die Verantwortlichen des Verbandes darauf bestanden, den Salon du Timbre du Centenaire vom 20. bis zum 27. Dezember 1939 im Stadthaus Luxemburg zu organisieren. Von Düdelinger Seite zeigten René Bontemps eine bemerkenswerte Sammlung Luxemburger Raritäten und J.P. Nilles ausgewählte Stücke der ersten Ausgaben.
     Präsident J.P. Nilles fiel auch die schwere Aufgabe zu, den Verein durch den Zweiten Weltkrieg zu führen.

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