Begegnung mit der Consolatrix AfflictorumSeit 20 Jahren entwirft Daniela Longo Münzen, Medaillen und Briefmarken für den Vatikan

2016 und 2017 führte der künstlerische Weg von Daniela Longo sogar nach Luxemburg

Die Kupferstecherin des Papstes

Bislang hat die römische Künstlerin Münzen für drei Päpste angefertigt

von Marc Jeck

Sie hat einen besonderen Beruf, der sie immer wieder ins Zentrum des kleinsten Staates der Welt und in die Nähe des Pontifex führt. Daniela Longo öffnet exklusiv für „Die Warte“ die Tür zu ihrem Atelier – und gewährt ungeahnte Einblicke in ihre Ideenschmiede für kleine Kunstwerke, die weltweit eine große Ausstrahlungskraft besitzen.

Eigentlich passt diese Frau sehr gut zu dem Bild, das wir von Papst Franziskus haben: ein katholischer Oberhirte, der die Bescheidenheit lebt. Die Künstlerin Daniela Longo ist ebenfalls sehr bescheiden und diskret. Keine Spur von Eitelkeit, eher verlegen reagiert sie, wenn man die Italienerin darauf anspricht, dass ihre Werke weltweit verschickt und gesammelt werden. Briefmarken aus dem Vatikan genießen immerhin einen sehr hohen Stellenwert und die in nur geringer Auflage geprägten Vatikanmünzen sind aufgrund ihrer Einzigartigkeit rund um den Globus begehrte Sammlerstücke. Der Vatikan hat das Recht, Münzen zu prägen, deren Auflagenhöhe durch ein Abkommen zwischen Italien und der EU bestimmt ist.

Seit 1998 entwirft Daniela Longo Briefmarken, Münzen und Medaillen für den Papst. Dabei sieht sie sich selbst nur als ein Instrument der Heiligen Römischen Kirche. „Mit jeder Entscheidung und Geste des Papstes können wir ein Stück Bescheidenheit lernen. Deshalb würde ich es bevorzugen, meine Werke nicht zu signieren“, verrät die Künstlerin, die dem aktuellen Pontifex mehrere Male persönlich begegnet ist. „Seine Barmherzigkeit ist beispielhaft, seine Sorge um den Nächsten sowie seine andauernde Liebe sind konkrete Punkte, an denen wir uns tagtäglich orientieren können“, sagt Daniela Longo. Ein gewichtiger Unterschied zwischen Papst Franziskus und seinen Vorgängern sei für sie als Medaillen- und Münzenstecherin der Umstand, dass nicht mehr das Porträt des Bischofs von Rom die Münzen und Medaillen ziert, sondern lediglich das Wappen des Heiligen Vaters. Der Führungsstil des 2013 gewählten Pontifex wird somit auch in der Numismatik mit hoher Symbolkraft reflektiert.

Den ersten päpstlichen Auftrag erhielt Daniela Longo durch das Philatelistische Büro des Vatikanstaates für die Ausgabe der ersten Priority-Postbriefmarke des Kirchenstaates, der seit 1852 Briefmarken herausbringt. Die erste Münze, für die Daniela Longo als Bildhauerin verantwortlich zeichnete, erschien anlässlich des Bimillenniums der Geburt von Jesus-Christus im Jahr 2000. Die 16 Gramm schwere Münze mit dem Nominalwert von 2000 Lire zeigt auf dem Revers das in Windeln gewickelte Jesuskind mit ausgestreckter Hand und den Schriftzug „Bismillesimus Annus Domino Nato“. Auf dem Avers ist Papst Johannes Paul II. (1978-2005) abgebildet, der in anbetender Haltung über dem Geburtsort des Heilandes in Bethlehem dargestellt ist.