180215 Neuheiten Oesterreich

 

Neuheiten in der Philatelie aus Österreich

Zwei Gesichter, alte Meister und moderne Kunst

 

Zwei Gesichter

Das Thema Generationenfrage betrifft alle. Der Familienverband mit mehreren Generationen unter einem Dach gehört weitgehend der Vergangenheit an, Singlehaushalte nehmen zu, die Lebenserwartung steigt. Welche Auswirkungen hat das auf unsere Gesellschaft? Ein Wettbewerb lud ein, dazu ein Markensujet zu entwerfen – eine große Herausforderung, auf einer recht kleinen Fläche ein so komplexes Thema grafisch, illustrativ oder typografisch darzustellen.

Die Siegermarke „Zwei Gesichter“ zeigt auf einem roten Hintergrund zwei weiße Gesichter, die in entgegengesetzte Richtungen blicken. Eines davon ist ein altes, das andere ein junges Gesicht. Je nachdem, wie man die Marke dreht, steht das eine oder das andere Gesicht auf dem Kopf, die Marke ist also in beiden Richtungen verwendbar. Die „Generationenfrage“ wurde so in die Sprache der Bilder übersetzt und lässt dabei Raum für die Ideen des Betrachters. Die beiden Gestalter der Briefmarke, Daniel Matt und Johannes Lampert aus Dornbirn, manifestieren auf diese Weise ihr Interesse an der grafischen Interpretation soziopolitischer Themen.

Nennwert: 0,68 Euro. Grafikentwurf: Lampert + Matt. Druck: Joh. Enschedé Stamps B.V. Ausgabetag: 22. Februar 2018.

Alte Meister

Jan Davidszoon (meist abgekürzt als Jan Davidsz.) de Heem wurde 1606 in Utrecht geboren. 1636 zog er nach Antwerpen, wo er die meiste Zeit bis zu seinem Tod lebte. Er verstarb um 1683. In kunstvoller Weise verband Jan Davidsz. de Heem die warmen, hell-dunklen Farbtöne der holländischen Malerei mit den lebhaften, leuchtenden Farben der flämischen Kunst. Die einzelnen Gegenstände in seinen üppigen Gemälden sind äußerst naturgetreu und detailreich wiedergegeben.

Sein Ölgemälde „Stillleben, Frühstück mit Champagnerglas und Pfeife“, zu sehen in der Residenzgalerie Salzburg/DomQuartier Salzburg, stammt aus dem Jahr 1642. Das prachtvolle Prunkstillleben zeigt einen üppig beladenen Tisch mit Früchten, kostbares Geschirr sowie exquisite Austern und Hummer und einen Laib Brot, angeordnet in einer klassischen Pyramidenkomposition.

Die kunstvolle Lichtführung mit Glanzlichtern an den Trauben oder am Glas und die zarten Farbtöne lassen das Gemälde raffiniert plastisch wirken. Interessant ist die vielschichtige Symbolhaftigkeit der dargestellten Gegenstände. Während das umgestürzte Glas, die erloschene Pfeife oder die glimmende Lunte als Vanitas-Elemente gelten, die an die Vergänglichkeit des irdischen Lebens erinnern sollen, stehen das Brot, die Trauben und der Wein im Glas für die christliche Eucharistie. Die Auster wiederum ist einerseits Symbol für Maria, die die kostbare Perle Jesus in sich trägt.

Nennwert: 2,10 Euro. Grafikentwurf: Kirsten Lubach. Foto: Domquartier Salzburg. Druck: Joh. Enschedé Stamps B.V. Ausgabetag: 22. Februar 2018.

Moderne Kunst

Joannis Avramidis wurde 1922 im heutigen Georgien geboren. Über Griechenland kam er 1943 als Zwangsarbeiter nach Wien, wo er nach Kriegsende an der Akademie der bildenden Künste Malerei und später Bildhauerei bei Fritz Wotruba studierte. 1962 vertrat er Österreich bei der Biennale in Venedig und nahm 1964 und 1977 an der documenta in Kassel teil. Der Künstler lehrte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, eine Zeit lang auch in Hamburg. 2016 verstarb er im Alter von 93 Jahren.

Joannis Avramidis stellte in seinen Werken immer den Menschen in den Mittelpunkt. Er strebte nach der „absoluten Figur“. Organische Formen wie den menschlichen Körper oder den Kopf abstrahierte er basierend auf seinem persönlichen Prinzip der Konstruktion und schuf damit in einer universalen, zeitlosen Formsprache seine strengen, kompromisslosen Skulpturen – meist säulenartige, aufrecht stehende Figuren, die von einer Mittelachse aus durch variable Kreissegmentformen zu einem „Skelett“ gestaltet und anschließend in Rundplastiken transformiert wurden.

Die griechische Antike sowie die Proportionslehre der Renaissance hatten große Bedeutung für den Künstler. Seine Figurengruppe „Polis“ aus 1965/68 nimmt etwa Bezug auf Platons Utopie einer idealen demokratischen Welt: Die gleich großen Figuren sind in dieser Skulptur zu einer Einheit verschmolzen.jw

Nennwert: 0,68 Euro. Grafikentwurf: Regina Simon. Druck: Joh. Enschedé Stamps B.V. Ausgabetag: 22. Februar 2018.

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aus Luxemburger Wort vom Donnerstag, den 15. Februar 2018